9/11 und das Schweigen der Medien

August 2011   —   Keine Frage – zahlreiche TV-Dokumentationen und Magazinbeiträge werden in den kommenden Wochen an den zehnten Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 erinnern. Sie werden in gewohnter Weise von Osama bin Laden und seinen 19 Attentätern berichten, und davon, wie ein heimtückischer Überraschungsangriff die USA in ihren Grundfesten erschütterte.

Aller Voraussicht nach wird in ebenso gewohnter Weise wenig von einer anderen Sicht auf die Ereignisse zu hören sein: von den Belegen für das Vorwissen der Geheimdienste, den ungeklärten Fragen zum Versagen der Luftabwehr an jenem Tag und einigem anderen mehr.

Dies bleibt bis auf weiteres kritischen Büchern vorbehalten, die nun zum zehnten Jahrestag erscheinen. Die größte Aufmerksamkeit gebührt dabei sicherlich dem neuen Buch von Mathias Bröckers und Christian Walther: „11. 9. – Der Einsturz eines Lügengebäudes“. Die beiden Autoren legen ein akribisch recherchiertes Kompendium der Widersprüche vor, an dessen Erkenntnissen eigentlich niemand mit einem einigermaßen wachen Geist vorbeikommt.

Dies fand auch ein ARD-Redakteur, der das Buch kürzlich in der Kultursendung „Titel, Thesen, Temperamente“ lobend vorstellte. Ein Dammbruch, waren Bröckers und Co. doch bisher in den großen Medien stets als nicht ernst zu nehmende „Verschwörungstheoretiker“ präsentiert worden. Verständlich, dass einigen die neue Offenheit in dieser Frage daher wenig gefällt. So schlug die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ wenige Tage später zurück und bemängelte die Ausstrahlung des Beitrags mit den Worten, in der ARD hätten wohl sämtliche „Überwachungsinstanzen versagt“. Die Buchautoren konterten trocken, es wäre Ihnen neu, dass es diese Instanzen überhaupt gebe, doch würden sie Journalisten, die um ein Interview fragten, künftig darauf hinweisen, um denen Ärger mit der bislang unbekannten Zensurbehörde zu ersparen.

Die humorvolle Replik trifft den Kern. Es scheint in Deutschland tatsächlich eine Art stillschweigende Zensur zu geben, wann immer das Thema auf alternative Sichtweisen zu 9/11 kommt. Renommierte „Terrorexperten“ und Politikwissenschaftler werden einsilbig, sobald man sie auf offene Fragen zu den Terroranschlägen anspricht. Ein Journalist eines großen öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders, der zu dem Thema kritisch recherchiert hat, teilte mir kürzlich mit, dass ihm die angefragten Interviewpartner von „Spiegel“ und Co. gleich reihenweise abgesprungen seien. Ich selbst machte ähnliche Erfahrungen. Nachdem in diesem Sommer mein Buch „Inside 9/11 – Neue Fakten und Hintergründe zehn Jahre danach“ veröffentlicht wurde, versuchte ich, mit verschiedenen Mainstream-Journalisten ins Gespräch zu kommen. Doch die hauptamtlichen Terrorismus-Deuter wie Elmar Theveßen vom ZDF oder Holger Stark vom „Spiegel“ quittierten zwar höflich den Empfang des Buches, schwiegen allerdings im weiteren. Interesse an einer Diskussion – offenbar Fehlanzeige.

Und Prof. Bernd Greiner vom renommierten Hamburger Institut für Sozialforschung hat zwar vor kurzem selbst ein Buch zu 9/11 veröffentlicht – in dem er behauptet, alle „Verschwörungstheorien“ seien eindeutig widerlegt -, eine Anfrage meinerseits jedoch, sich auf eine öffentliche Debatte dazu einzulassen, lehnte er ab.

Woher die Einsilbigkeit bei den Vertretern der offiziellen Version von 9/11? Vielleicht, so könnte man spekulieren, spüren manche, dass der Wind der öffentlichen Meinung sich bald drehen könnte. Im Lichte immer neuer unbequemer Fakten zu den Anschlägen und einer wachsenden Skepsis bezüglich amerikanischer Politik allgemein ist diese Annahme sicher nicht unbegründet. Wer will sich da noch ohne Not öffentlich auf ein Minenfeld wie 9/11 vorwagen?

Einige tun es trotzdem. Franziska Augstein rezensierte das neue Buch von Bröckers und Walther Ende Juli in der „Süddeutschen Zeitung“, zwischenzeitlich stand es sogar auf der „Spiegel“-Bestsellerliste. Der WDR sendet am 30. August ein Radiofeature mit kritischen Stimmen zu 9/11 auf seinem Sender „EinsLive“. Und am 10. September findet in Leipzig eine 9/11-Konferenz mit einem halben Dutzend Referenten statt, die weitere Fakten und Widersprüche präsentieren werden (Informationen dazu unter http://www.inside-911.de). Eine grundlegend neue Debatte der Anschläge ist kaum noch aufzuhalten.

Neue Bücher zu 9/11:

Mathias Bröckers / Christian Walther: „11.9. – zehn Jahre danach: Der Einsturz eines Lügengebäudes“, 320 S., 16,99 Euro
Paul Schreyer: „Inside 9/11 – Neue Fakten und Hintergründe zehn Jahre danach“, 120 S., 8,80 Euro
Marcus Klöckner: „9/11 – Der Kampf um die Wahrheit“, 218 S., 16,90 Euro
Bernd Greiner: „9/11 – Der Tag, die Angst, die Folgen“, 279 S., 19,95 Euro
Elmar Theveßen: „9/11 – Der Tag, der die Welt veränderte“, 352 S., 19,99 Euro

(Dieser Artikel wurde im August 2011 im Magazin „Ossietzky“ veröffentlicht.)

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