Filmtipp: Downsizing

Downsizing

7. Februar 2018   —   Es kommt nicht besonders oft vor, dass eine Multimillionen-Dollar-Hollywood-Produktion ein anspruchsvolles Drehbuch besitzt, das zu einer vielschichtigen Parabel auf unsere Zeit verarbeitet wird. Regisseur Alexander Payne ist das (erneut) gelungen. Nach „About Schmidt“ und „The Descendants“ legt er mit „Downsizing“ eine Science-Fiction-Satire vor, die weitaus ernster und feinsinniger ist, als es der eher dumpfe, sensationsheischende Trailer erwarten lässt. Aus der Grundidee – Menschen können sich durch eine neue Erfindung auf 10 cm Größe verkleinern lassen und fortan in abgeschotteten Ministaaten trotz wenig Geld in materiellem Luxus leben – formt Payne ein Gemälde unserer höchst realen Welt, in der die Existenz sozialer Klassen zwar gern kaschiert wird, dabei aber die Grundlage von allem ist.

Der Film ist bislang ein kommerzieller Flop und erntete in vielen großen Blättern Verrisse. Die New York Times war schwer enttäuscht und der Spiegel konstatierte gewohnt überlegen „Kleingeistigkeit“. Gut möglich, dass sich mancher fest im System etablierte Zeitgenosse von dieser Geschichte und ihren satirischen Spitzen auf die Gegenwart und das herrschende Gemisch aus Mittelmaß, Egoismus und Eskapismus provoziert fühlt. Für mich persönlich ist „Downsizing“ einer der besten Filme der letzten Jahre.

(Photo credit: George Kraychyk – © 2017 Paramount Pictures)

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2 Gedanken zu „Filmtipp: Downsizing

  1. Jürgen Kauschitz

    Hallo Herr Schreyer,
    vielen Dank für Ihren Filmtipp, war für uns ein wirklich schöner Kinoabend, ganz im Sinne Brechts: Beste Unterhaltung und jede Menge Stoff, um weiter zu denken. Wünsche Ihnen alles Gute, J.K.

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  2. Tom Hess

    Ich fand es gelungen, wie der Film mit Dogmen spielt. Hat mich selber erwischt. Als ich zunächst hörte, Erderwärmung etc., dachte ich, oh Gott, schon wieder so ein belehrender Film. Nur dass die Gruppe der „Klimajünger“ buchstäblich als Sektenjünger dargestellt wurden.

    Das ist übrigens meine derzeit größte Kritik. Zwar erreichen viele Serien inzwischen Kino-Niveau, aber keine Serie und kein Film mehr ohne gemischte Pärchen (schwarz/weiß etc.), Homosexuelle und alle wichtigen Ethnien (asiatisch, lateinamerikanisch, schwarz, weiß und oftmals arabisch). Grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden. Aber wenn sie alle in einem Film rumlaufen, der im Mittelalter spielt (King Arthur), ist das schräg. Oder wenn die Glorreichen Sieben plötzlich alle Ethnien sind. Das ist meines Erachtens revisionistisch, weil es die Geschichte völlig verfälscht, da gerade gegen Indianer, Schwarze und Asiaten großer Rassismus bestand.

    Das Ganze dann mit einer sexuellen Freizügigkeit, die oft Richtung Hardcore-Porno reicht. Ich wage kaum noch, eine Serie tagsüber oder abends anzusehen, wenn unsere Tochter (5) noch vor der Flimmerkiste sitzt. Ich kann auch getrost auf so viele „homosexuelle Erotikszenen“ verzichten. Ich hab mir grundsätzlich noch nie Pornos angesehen, weil ich die nicht mag. Und da ich nun mal hetero bin, schon gar nicht mit Homosexuellen.

    Nicht falsch verstehen. Ich habe rein gar nichts gegen diese Beziehungen oder gar gegen diese Personen – für mich ist es normal, dass jeder sein Leben so lebt, wie er/sie will. Ich lebe selbst in Asien in einem Land, wo viele Homosexuelle und „Umgebaute“ (ich kann nicht mal Homosexuelle sagen, weil mir viele erklärten, dass sie es traurigerweise nur machen, weil sie so Geld verdienen können) leben und ich habe etliche im Freundeskreis. Stresst mich alles nicht; im Gegenteil – ich denk da gar nicht drüber nach.

    Aber ich knutsche nicht vor jedem rum und die nicht vor mir bzw. die müssen mir bei mehr nicht zusehen und ich denen auch nicht. Diese „Zwangsbeglückung“ über Filme und Serien nervt aber tierisch. Besonders, wenn es bei einigen Serien richtig voll zur Sache geht – auch bei Heteros. Das ist Dekadenz, wie es Rom zu Fall brachte.

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