Warum der „Kampf gegen rechts“ die Gesellschaft weiter spaltet

Unteilbar

10. Oktober 2018   —   Vier Thesen zu Faschismus, Flüchtlingskrise und offener Gesellschaft

Ein breites Bündnis von Organisationen und Prominenten hat für den 13. Oktober zu einer Großdemonstration auf dem Berliner Alexanderplatz aufgerufen, Motto: „Solidarität statt Ausgrenzung – Für eine offene und freie Gesellschaft“. In einer gemeinsamen Erklärung dazu wenden sich die Unterzeichner, darunter die Organisationen Attac, Campact, Amnesty International, sowie die Linkspartei-Vorsitzende Katja Kipping, der Satiriker Jan Böhmermann, der Soziologe Harald Welzer und der ARD-Journalist Georg Restle gegen Rassismus, Menschenverachtung und Sozialabbau. Sie erklären: „Wir lassen nicht zu, dass Sozialstaat, Flucht und Migration gegeneinander ausgespielt werden.“

Zu dieser Aussage, die im Aufruf nicht näher erläutert wird, stellen sich Fragen: Wie soll „nicht zugelassen“ werden, was längst geschieht – dass die Ärmsten der Gesellschaft gezwungen sind, mit einer wachsenden Zahl von Flüchtlingen immer härter um schlecht bezahlte Jobs und billige Wohnungen zu konkurrieren? Wie konkret sollen sich, hier und heute, nicht in ferner Zukunft, offene Grenzen mit einem funktionierenden Sozialstaat vertragen? Und wer ist schuld an der massiven Zuspitzung dieses Konfliktes in den vergangenen Jahren? Tragen dafür tatsächlich nur Hetzer mit rechtsradikalen Parolen die Verantwortung? Dazu im Folgenden vier Thesen:

Die zunehmende Radikalität, Aggressivität und Suche nach Sündenböcken, wie sie sich im rechten politischen Spektrum (aber nicht nur dort) beobachten lässt – all das sind Symptome mit Ursachen und einer Vorgeschichte. Sie gedeihen dort, wo das System nicht funktioniert, wo Menschen nicht integriert, sondern aussortiert werden.

Der Soziologieprofessor Wilhelm Heitmeyer, Gründer des Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld, erklärte schon vor zwei Jahren im Interview, wo politische Außenseiterkandidaten ihr Publikum finden und wie Radikalität entsteht:

„In unserem Verständnis geht es erstens darum, ob jemand Zugang zu (…) Arbeit hat und dadurch Anerkennung erwerben und genießen kann. Zweitens stellt sich die Frage, ob man als Einzelner oder als Gruppe bei öffentlichen Angelegenheiten eine Stimme hat und wahrgenommen wird, denn dadurch entsteht moralische Anerkennung als Bürger. Drittens geht es um die Anerkennung der individuellen Integrität und die der eigenen Gruppe, um dadurch emotionale Anerkennung und Zugehörigkeit zum Gemeinwesen zu entwickeln.

Unsere Untersuchungen zeigen sehr deutlich: Überall, wo es massive Anerkennungsdefizite gibt, kommt es zu Abwendungen oder Rückzügen. Wer sich in seinen Umgebungen nicht anerkannt fühlt, wendet sich jenen zu, in denen es Anerkennungsquellen gibt. (…) Man muss das immer betonen, und ich tue das seit Langem: Man darf den Begriff Integration nicht reservieren für Migranten und jetzt Flüchtlinge. Auch viele der seit Generationen hier lebenden Deutschen sind nicht integriert, insbesondere was die Anerkennungsgefühle und -erfahrungen angeht.“

Ein Mensch, der keine öffentliche Anerkennung erfährt, nicht als Bürger, da seine Stimme konsequent politisch ignoriert wird, und nicht als tätiger Mensch, da seine Arbeitskraft als unnütz zurückgewiesen wird, der ist ähnlich fremd im Land und kaum besser integriert als ein frisch eingereister Flüchtling. Auch den Millionen Menschen in Niedriglohnjobs wird vor allem eines sehr klar vermittelt: Ihr seid verzichtbar, eure Arbeit ist wenig wert, Anerkennung verdient ihr kaum.

2017 veröffentlichte die „Zeit“ eine längere Reportage aus der Arbeiterstadt Bitterfeld in Sachsen-Anhalt, wo die AfD bei den letzten Landtagswahlen mit knapp 32 Prozent der Stimmen stärkste Partei wurde. Unter der Überschrift „Hier herrscht Klassenkampf“ hieß es dort, dass die Wähler in dieser Region nicht nur mit Flüchtlingen ein Problem hätten, „sondern auch mit dem Kapitalismus“. Die Autorin blieb dabei nicht in der ostdeutschen Provinz stehen, sondern analysierte die Stimmung als europäischen Trend:

„Einfaches Volk gegen globales Kapital – mit dieser Formel gewinnen die Rechten im vormals linken Arbeitermilieu Stimmen, überall in Europa. Im deindustrialisierten Norden Englands und im ländlichen Polen, im Osten Deutschlands und im Süden Frankreichs. (…) Im Sommer 2016 (…) führten Sozialforscher der Universität Oxford im Auftrag der Bertelsmann Stiftung eine Umfrage durch. Sie wollten wissen, warum so viele Menschen in Europa rechtsnationale Parteien wählen. Das Ergebnis war überall gleich. Die Anhänger der deutschen AfD und der österreichischen FPÖ, der britischen Ukip und des französischen Front National, sie alle einte dasselbe Gefühl: die Angst vor der Globalisierung.“

Die neoliberale Form dieser Globalisierung, wie sie in den vergangenen Jahrzehnten international politisch durchgesetzt wurde (und der sich auch die AfD in ihrem Programm nicht widersetzt), ist die tiefere Ursache der aktuellen gesellschaftlichen Spannungen. Ein oberflächlicher „Kampf gegen Rechts“ ändert daran nichts.

Man stelle sich vereinfacht vor, alle rechten Hetzer, aber auch alle Gegner einer unbegrenzten Zuwanderung, wären ab sofort stumm und würden sich nicht mehr öffentlich äußern: Welches gesellschaftliche Problem wäre damit gelöst? Was hätte sich an fehlender Demokratie, Ungleichheit, wachsendem Druck auf arme Menschen, aber auch an bestehenden Ressentiments geändert?

Die derzeitige Debatte krankt in weiten Teilen an einem bestenfalls gutgemeinten, zugleich aber verstörend totalitären Denkmuster: Gegner einer unbegrenzten Zuwanderung seien im Kern irrational verängstigte Ausländerfeinde. Diese müssten ihre Rückschrittlichkeit nun endlich überwinden und „dazulernen“, dass Zuwanderer, und zwar völlig egal wie viele, immer eine Bereicherung seien. Wer diesen Lernschritt nicht gehen wolle, der gehöre nicht zur Gesellschaft, mehr noch: dem müsse man am besten den Mund verbieten.

Dieser Versuch, eine Spaltung der Gesellschaft mit noch mehr Spaltung und Ausgrenzung zu überwinden, ist hochgradig schizophren, undemokratisch, dogmatisch und gefährlich. Wird er von Regierungs- und Elitenvertretern aktiv unterstützt, so darf man Absicht unterstellen – also den Willen zu einer weiteren Spaltung, um von den tieferliegenden Problemen abzulenken.

Der Impuls, armen, flüchtenden Menschen helfen zu wollen, ist zutiefst menschlich und verdient Unterstützung. Zugleich stellt sich die Frage, warum zunächst (!) denjenigen geholfen werden soll, die es bis an die europäische Außengrenze geschafft haben. Was ist mit den Abermillionen, die mangels finanziellen und physischen Kräften nicht so weit gekommen sind? Haben die ganz einfach „Pech gehabt“? Sind ihre Schicksale, ihre Hoffnungen auf ein besseres Leben so viel weniger wert, als die der vitaleren und jüngeren, die genügend Geld für eine Schleusung aufbringen können?

Die extreme Fokussierung auf die Flüchtenden an den direkten Grenzen der EU offenbart einen Tunnelblick, der psychologisch verständlich sein mag, der aber nicht für gerechte und tragfähige Lösungen taugt. Es ist eben gerade keine vernünftige Lösung für die drängendsten Probleme der Welt, wenn die reichsten Länder unbegrenzt Flüchtende aus armen Ländern aufnehmen. Es ist noch nicht einmal eine gerechte Lösung. Das Problem liegt tiefer.

Der Faschismus ist eine Gefahr und ein radikaler Widersacher der Demokratie – keine Frage. Er spukt in vielen Köpfen. Allerdings wird er nicht bloß in Sachsen oder anderswo in der ostdeutschen Provinz ausgebrütet, sondern vor allem in den internationalen Zentren des Finanzsystems. Rainer Mausfeld nennt in seinem aktuellen Buch „Warum schweigen die Lämmer?“ die zahlreichen Gemeinsamkeiten von rechtsradikalem Totalitarismus und modernem Neoliberalismus, also dem heutigen System schrankenloser Geldanhäufung, in dem alles zur Ware wird:

„Im Neoliberalismus lassen sich leicht typische Merkmale von Totalitarismus identifizieren, also Merkmale autoritärer Formen von Herrschaft, die alle sozialen Lebensverhältnisse durchdringen. (…) Beide, Neoliberalismus und Faschismus, verbindet der Hass auf ‚1789‘, das heißt auf die sozialen und politischen Errungenschaften der Aufklärung. In diesem Jahr wurden durch die französische Nationalversammlung die Bürger- und Menschenrechte erklärt. Aus der Perspektive des Neoliberalismus und des Faschismus steht dieses Jahr für Sozialstaat und egalitäre Demokratie. Beide verbindet ein Sozialdarwinismus mit seiner Glorifizierung der Starken und seiner Verachtung der Schwachen. Beide sind elitär und teilen eine Verachtung des Volkes. Beide verlangen eine Anpassung und vollständige Unterordnung unter eine Fiktion, den freien Markt auf der einen Seite, das ethnisch homogene ‚Volk‘ auf der anderen Seite.“

Mausfeld ergänzt, dass sowohl der Faschismus wie auch die aktuelle Wirtschaftsordnung beide eine „extrem hierarchische Elitenoligarchie“ anstreben – also das genaue Gegenteil von Demokratie. Er fährt fort:

„Gegen die Prinzipien der Aufklärung gab es von Anfang an gewaltige Widerstände in verschiedenen Strömungen der sogenannten Gegenaufklärung. Diese ist gerade durch ein Negieren jener Prinzipien gekennzeichnet, insbesondere durch Haltungen, die eine prinzipielle Vorrangstellung der eigenen biologischen, sozialen, kulturellen, religiösen oder nationalen Gruppe zum Ausdruck bringen. Neoliberalismus und Rechtspopulismus bilden, aus unterschiedlichen Perspektiven, heute wesentliche ideologische Zentren einer Gegenaufklärung.“

Wer sich heute um die Demokratie sorgt, der sollte diese Gegenaufklärung im Blick haben, nicht nur in sächsischen Städten, sondern – vor allem – in den Metropolen des „freien Westens“. Es erscheint zumindest gefährlich naiv zu verdrängen, wie weit der totalitäre, antidemokratische Geist der herrschenden Wirtschaftsordnung in das Denken nicht bloß der AfD, sondern auch ehemals linker und sozialdemokratischer Parteien vorgedrungen ist – und wie sehr demokratische Prinzipien heute von dort heraus, „aus der Mitte der Gesellschaft“, in Frage gestellt und bekämpft werden.

Die Anfang September gestartete Aufstehen-Bewegung hat eine erste Umfrage durchgeführt, an der 33.000 Menschen teilgenommen haben. Die Ergebnisse sind lehrreich. So wurde im Nachgang analysiert, bei welchen Themen die Ansichten der Teilnehmer am weitesten auseinandergingen, wo also der Diskussionsbedarf innerhalb der Sammlungsbewegung am größten ist.

Zu den kontroversesten Punkten gehören demnach die Aussagen „die deutsche Einwanderungspolitik macht mir Angst“ (38 % Zustimmung, 41 % Ablehnung), „ich habe Existenzängste“ (35 % Zustimmung, 51 % Ablehnung), sowie „ich sehe für mich in Deutschland keine Aufstiegschancen“ (25 % Zustimmung, 51 % Ablehnung).

Die Organisatoren der Umfrage konnten in der Analyse der Ergebnisse zwei deutlich unterscheidbare Gruppen ausmachen, zwischen denen sich ein Graben auftut, der insbesondere das linke Lager spaltet.

Bei der Aussage: „Ich sehe Flüchtlinge nicht als Konkurrenten um Arbeitsplätze, sondern als Menschen die Hilfe brauchen“ stimmten in Gruppe 1 bloß 45 % zu, in Gruppe 2 hingegen 83 %. Man darf mutmaßen, dass diese zweite Gruppe im Alltag nicht in gleicher Schärfe gezwungen ist, mit Flüchtlingen um Jobs und Wohnungen zu konkurrieren. Ihre Sichtweise ist somit wohl nicht einfach bloß Ausdruck einer „moderneren Haltung“, sondern mutmaßlich ein Ergebnis der eigenen relativ besseren sozialen Absicherung. Darauf verweist auch die Antwort der Teilnehmer dieser Gruppe auf die Frage nach Angst vor Armut im Alter: bloß 40 % hatten diese, verglichen mit 79 % in der zuwanderungskritischen Gruppe.

Es ist keine Überraschung: Menschen mit konkreter Existenzangst und Perspektivlosigkeit haben andere Prioritäten als ihre besser abgesicherten Mitbürger – zu denen viele der Unterzeichner des eingangs erwähnten Demonstrationsaufrufs gehören. Wenn die relativ besser Abgesicherten propagieren, die Menschenrechte seien „unteilbar“ und das vor allem auf Flüchtlinge beziehen, dann fragen diejenigen Menschen, die unter konkreter Existenzangst leiden, wo eigentlich die Solidarität mit den Armen im eigenen Land bleibt.

Da die sozialen Schichten, nicht nur in den Internet-Filterblasen, zunehmend getrennt voneinander leben und kaum direkten Kontakt zueinander haben, wird die Kommunikation über solche Gräben hinweg immer schwieriger. Der „Kampf gegen Rechts“ ist, in der geschilderten Oberflächlichkeit, ein bestenfalls gut gemeinter Reflex, der aber kein grundlegendes Problem löst – im Gegenteil.

Die fortschreitende Spaltung der Gesellschaft, die sich an der Haltung zur AfD festmacht, überlagert den eigentlichen, tieferliegenden Kampf der Reichen gegen die Armen innerhalb der bestehenden maßlosen und zerstörerischen Wirtschaftsordnung – ein Kampf, von dem viele der relativ besser Abgesicherten, ob nun rechts oder links stehend, aber weiterhin nichts wissen wollen.

(Dieser Artikel wurde im Online-Magazin Telepolis veröffentlicht.)

(Bild: Screenshot Youtube, Demonstrationsaufruf „Unteilbar“)

Advertisements

19 Gedanken zu „Warum der „Kampf gegen rechts“ die Gesellschaft weiter spaltet

  1. marie

    über diesen artikel fällt es mir schwer, nicht in superlativen zu sprechen … jedoch ist er auf so einem (hohen) niveau der gegenwärtigen politischen diskussion, die ich mir nicht nur wünsche, sondern auch wegen der (scheinbar) erfolgreichen neoimperialen/transatlantischen denkfabriken dringend – und zwar nicht nur für mächtige eliten – sondern für alle menschen dringend zu lesen wünsche. die tiefe recherche ergänzt sich bestens mit der psychologischen fachkompetenz von mausfeld und der volkswirtschaftlichen von Flassbeck und Steinhardt.

    Steinhardt: Wer die Macht von Nationalstaaten leugnet, der verwechselt die Realität mit seinem schönen, liberalen Traum, in dem es keinen mehr gibt, der den Menschen sagt, was sie zu tun und zu lassen haben. Auf der linken Seite des politischen Spektrums begegnet einem da eine Naivität, die mich manchmal sprachlos macht.

    Steinhardt: Dass der Nationalstaat durch die „Globalisierung“ zurückgedrängt oder gar obsolet wurde, das ist ein Märchen. „Globalisierung“ ist eine Chiffre für den Umbau der Gesellschaft nach neoliberalen Vorgaben, begleitet von dem Versprechen, dass, wenn die Märkte nur von allen Fesseln befreit werden, es allen besser geht und sie frei sind. Dafür muss man den Arbeitsmarkt flexibilisieren, das heißt, die Bedingungen verschlechtern, die Löhne senken. Absurd. Das Globalisierungsnarrativ dient als Rechtfertigung dafür, dass der Staat seine Macht nicht mehr einsetzt, um das Gemeinwohl zu fördern, sondern um den Sozialstaat zu zerstören, öffentliche Daseinsvorsorge zu privatisieren und die Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Tatsache ist doch: Es gibt keine realistische Perspektive auf die vielbeschworene Überwindung des Nationalstaates. Das Einzige, worum es wirklich geht, ist, den Staat seine Macht nutzen zu lassen, sodass es der Mehrheit der Menschen zukünftig besser und nicht schlechter geht.“

    „Ja, es ist leider so, dass in Deutschland kaum noch Volkswirtschaftler, welche ihr Fach beherrschen, politischen Einfluss haben. Dabei ist es grundsätzlich sehr einfach, zu verstehen, wie allgemeiner Wohlstand erzeugt werden kann. Die Herren Flassbeck und Steinhardt beherrschen das volkswirtschaftliche Handwerkszeug der ‚Saldenmechanik‘, wogegen unser jetzige Finanzminister nie davon gehört zu haben scheint.“

    https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/es-braucht-aufklaerung

    Gefällt mir

    Antwort
  2. Karsten Montag

    Ich habe noch eine fünfte These: Die westlichen Industrienationen, insbesondere die USA, benötigen den islamistischen Fundamentalismus, um die Durchsetzung ihrer geopolitischen Interessen mit militärischer Gewalt an der Heimatfront rechtfertigen zu können. Daher werden die Gefahr einer drohenden Islamisierung des Westens in den Mainstream-Medien, welche diese Interessen unterstützen, über alle Gebühr aufgebauscht und die Interessen selbst kaschiert.

    Wer sich ausschließlich aus diesen Medien informiert, wird mit großer Sicherheit nicht wissen, dass den Vereinigten Staaten, der größte Erdöl- und Erdgasverbraucher sowie einer der größten Erdölförderer und der größte Erdgasförderer der Welt, in den nächsten zehn Jahren das eigene, wirtschaftlich rentabel förderbare Öl und Gas ausgehen werden. 70 % des Energieverbrauchs in den USA basieren jedoch auf genau diesen Rohstoffen. Ein kurzfristiger Ersatz durch erneuerbare Energien ist aufgrund deren geringen Wachstums und der Schwierigkeiten der Speicherung aussichtslos. Daher wird die letzte verbleibende Supermacht bereits in der nächsten Zukunft auf immense Energielieferungen von außerhalb ihres Territoriums angewiesen sein.

    Erst dieses Wissen lässt auf einfache logische Art und Weise verstehen, warum die USA Billionen von Dollar in die Eroberung und Besetzung des Iraks, einem der wichtigsten Erdölförderländer der Welt, versenkt haben, obwohl dieser Krieg ein laizistisches Land in ein Bürgerkriegsland verwandelt hat, wo sogar mit dem Islamischen Staat eine Konkurrenz-Terrororganisation zur al-Qaida entstehen konnte.

    Wer dem Narrativ der Mainstream-Medien bedingungslos folgt und sich nicht über Fakten informiert, ist daher eher anfällig für unbegründete Islamophobie als für begründete Kritik an der Außenpolitik der USA und der NATO. Und diese Phobie kann jeden und jede treffen, egal welcher Gesellschaftsschicht er bzw. sie entspringen.

    Gefällt mir

    Antwort
  3. stephangeue

    @Karsten Montag: Dass gefracktes Gas einen kurzen Peak mit steilem Abstieg hat, ist bekannt, aber bevor das Fracking so richtig in Fahrt kam, wurde hier und da über den Welt-Peak-Oil räsoniert, und es war ein Irrtum, weil die Leute das Fracking nicht auf dem Radar hatten.
    Wenn jetzt erneut diese Sau durch’s Dorf getrieben wird, dann wird das Methanhydrat vergessen, das zwar zurzeit noch kaum gefördert wird, aber eine beträchtliche Reserve darstellt, die umso verlockender wird, je höher die Preise steigen werden.
    Die US-Amerikaner sitzen bei der Förderung fossiler Energie zwischen zwei Stühlen: Sie haben ihre mächtige Ölindustrie, und sie haben die restliche Industrie. Die Öl-Förderer verdienen besonders kräftig, wenn die Preise für Öl und Gas hoch sind; dafür geht es dem Rest des Landes an den Kragen, und der dürfte auch nicht ganz ohne Einfluss sein.

    Gefällt mir

    Antwort
    1. Karsten Montag

      @Stephan Geue: Egal welche Informationsquelle ich heranziehe, ich erhalte immer die gleiche Information: Die Nutzung von Methanhydrat als Energiequelle befindet sich derzeit noch im Forschungsstadium. Eine kommerzielle Nutzung ist aktuell nicht möglich. Wie eine derartige Technologie innerhalb der nächsten zehn Jahre 70 % des amerikanischen Energieverbrauchs decken soll, ist nicht plausibel nachvollziehbar.

      Ende des nächsten Jahrzehnts gehen die Reserven an Erdöl- und Erdgasvorkommen nach heutigem Kenntnisstand in den USA jedoch zur Neige. Wenn die erneuerbaren Energien weiterhin in der aktuellen Geschwindigkeit wachsen und der Gesamtenergieverbrauch in den USA gleich bleibt, werden sie Öl und Gas als Energieträger frühestens in 78 Jahren komplett abgelöst haben. Diese Zahlen habe ich mir nicht ausgedacht, sondern mit relativ einfachen Mitteln nachgerechnet. Hier kann man sehen wie: http://www.karstenmontag.de/anleitung-wie-man-sich-selber-innerhalb-von-2-stunden-geopolitisch-und-medial-aufklaert/

      Ich kann jedem empfehlen, sich über die verfügbaren Fakten selber ein Bild zu machen und notfalls auch einmal selber nachzurechnen anstatt den Informationen in der Presse zu vertrauen. Das macht nicht nur fachlich kompetent, sondern auch weniger anfällig für die Manipulationen in den Mainstream-Medien.

      Immer wieder liest man in den letzten Jahren über „riesige“ Erdölfunde in den USA. So titelte Focus Online 2016: „20 Milliarden Barrel Öl. US-Forscher finden in Texas riesiges Öl-Vorkommen“. Als Abschlusssatz wählte der Autor des Beitrags: „Klar ist aber, dass die USA dank des Ölschatzes noch lange auf arabisches Öl verzichten können.“

      1 Barrel Öl entspricht 0,137 Tonnen Öl. 20 Milliarden Barrel Öl entsprechen damit 2.740 Millionen Tonnen Öl. Das klingt immer noch viel. Erst wenn man sich gewahr macht, dass alleine die USA im Jahr 2017 913 Millionen Tonnen Erdöl verbraucht haben, dann weiß man, dass dieses „riesige“ Erdölvorkommen in drei Jahren aufgebraucht sein wird.

      Noch dreister titelt Spiegel Online im Frühjahr 2017: „Energiereserven: USA finden riesige Ölquellen in Alaska. […] In Alaska ist ein riesiges Erdölvorkommen von 1,2 Milliarden Barrel entdeckt worden.“

      1,2 Milliarden Barrel entsprechen 164,4 Mio. t Öl. Diesen „riesigen“ Erdölfund in Alaska haben die USA in weniger als zwei Monaten aufgebraucht. Obwohl ich das nicht belegen kann, behaupte ich doch, ohne einen roten Kopf zu bekommen, dass noch nicht einmal jeder hundertste Leser dieser Meldungen in den Mainstream-Medien die Bedeutung der Ölfunde richtig einschätzen kann. Hängen bleibt nur, die USA seien noch lange unabhängig von Öl aus anderen Ländern.

      Doch selbst das stimmt faktisch nicht. Die USA fördern selber ca. 550 Mio. t Erdöl pro Jahr, verbrauchen jedoch, wie bereits erwähnt, derzeit mehr als 900 Mio. t im selben Zeitraum. Mehr als ein Drittel ihres Ölbedarfs müssen sie daher bereits jetzt importieren. Damit sind die USA der größte Netto-Erdölimporteur der Welt, auch wenn Meldungen wie „Fracking-Boom: USA sind bald der größte Ölproduzent der Welt“ (Spiegel Online) oder „Fracking rechnet sich wieder: Schlechte Nachricht für die Saudis: Die USA fluten den Ölmarkt“ (Focus Online) Gegenteiliges suggerieren. Und dieses fehlende Öl importieren die Vereinigten Staaten nach eigenen Regierungsangaben hauptsächlich aus Kanada, Saudi-Arabien, Mexiko, Venezuela, dem Irak und aus weiteren Staaten am Persischen Golf (vgl. https://www.eia.gov/tools/faqs/faq.php?id=727&t=6 und https://www.eia.gov/dnav/pet/pet_move_impcus_a2_nus_epc0_im0_mbbl_m.htm).

      Dass man sich diese aktuellen und in naher Zukunft verschärften Abhängigkeiten der USA von Energieimporten mühsam mit eigenen Excel-Tabellen und ausländischen Quellen selber erarbeiten muss und davon nicht aus den deutschen Leitmedien erfährt, ist für mich eine Smoking Gun, dass der deutsche Mainstream-Medienkonsument über die tatsächlichen Hintergründe der US-amerikanischen Energiekriege im Dunkeln gelassen werden soll.

      Gefällt 1 Person

      Antwort
      1. stephangeue

        @Karsten Montag: Danke für die informativen Ausführungen zur Einordnung der Größenordnungen von US-amerikanischer Ölförderung und -verbrauch.

        Sie schrieben: „Die Nutzung von Methanhydrat als Energiequelle befindet sich derzeit noch im Forschungsstadium. Eine kommerzielle Nutzung ist aktuell nicht möglich.“

        Auch ich kenne keine Veröffentlichung, die etwas anderes behauptete. Indes: Dass das so ist, liegt am verhältnismäßig niedrigen Preis aktuell dominierender Fossilenergien. Sobald deren Preis so weit angestiegen ist, dass Methanhydratförderung unter der Annahme eines abzuschätzenden F/E-Budgets für die Entwicklung von Technologien zwecks Förderung im großindustriellen Maßstab lukrativ erscheint, werden wir eine stürmische Entwicklung beobachten. Und dann werden zehn Jahre eine lange Zeit sein, denn die Amerikaner haben keinen langen Atem; sie investieren auf kurze Sicht. Und haben wir nicht beim Fracking bemerkenswerte Fortschritte nach den ersten zwei, drei dreckigen und skandalösen Jahren registriert? (Womit ich nicht behaupten will, dass das Fracking derzeit sauber vonstatten ginge, aber von „brennbarem Leitungswasser“ habe ich schon einige Jahre nicht mehr berichten hören.)

        Ich schreibe dies im Großen und Ganzen, ohne zu plädieren. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass im Zuge der Klimaerwärmung großvolumige Ausgasungen aus den Kontinentalschelfs für wahrscheinlicher (als in der Vergangenheit) gehalten werden (was aber wohl voraussetzt, dass sich das Wasser in ca. 1000 Meter Tiefe merklich erwärmt – diesbezüglich bin ich nicht kundig). Aktuell zunehmende Ausgasungen betreffen möglicherweise überwiegend auftauende Permafrostböden im Flachmeer. Ich will darauf hinaus, dass eine Förderung ja eine Sammlung zwecks Abtransport via Schiff/Pipeline zum Ziel hat. Hinreichend Expertise vorausgesetzt könnte dies das geringe Übel im Vergleich zum 100-prozentigem unkontrollierem Eintrag des Methans in die Atmosphäre sein.

        Gefällt mir

  4. andreas

    Vielen Dank für die vielen guten Artikel hier im Blog. Ich sehe die Spaltung im „Kampf gegen Rechts“ eigentlich genau so. Als Beispiel von der letzten noPAG Demo seien einige übermotivierte Antifa-Aktionisten angeführt, die mit ihren „Bleiberecht für alle“ Skandierung einiges Befremden bei anderen Demonstranten auslösten. Trotzdem habe ich bei zwei Thesen auch bei wiederholtem Lesen immer noch Bauchschmerzen.

    zu These 2: Es geht natürlich nicht nur um den „Wert“ eines Flüchtenden. Jemanden, der vor meiner Haustür um Hilfe bittet, kann ich nicht mit dem Hinweis auf unfaire Handelspraktiken oder falsche sozialpolitische Entscheidungen zurückweisen. Jemanden, dem es noch schlechter geht, gibt es immer. Und wir sollten die Gefahr sehen, in den Begründungen unseres Handelns oder Nicht-Handelns Menschen gegeneinander auszuspielen, so wie wir es zu recht immer den „Anderen“ vorwerfen.

    zu These 4: Ich habe versucht, die Ergebnisse der polis-umfrage selber zu deuten, es ist mir aber nicht gelungen, da haben Sie sicher mehr Erfahrung und ich vertraue deshalb Ihrer Interpretation. Aus meiner persönlichen Erfahrung stellt sich da aber die Frage, inwieweit so eine Umfrage die gesellschaftliche Wirklichkeit 1:1 abbilden kann. Ich sehe doch auch bei sozial Benachteiligten Verständnis mit Flüchtlingen und bei vielen wirtschaftlich Erfolgreicheren einen starken Mangel an Solidarität. Natürlich ist Überschrift zu Punkt 4 nichtsdestotrotz richtig.

    Auch hier würde ich mir wünschen, dass es einer Bewegung wie „aufstehen“ gelingt, nicht zu spalten, sondern die Menschen mit unterschiedlichen Ängsten zu vereinen, um überhaupt erstmal einen sinnvollen Diskurs über gesellschaftliche und politische Änderungen zu ermöglichen.

    Gefällt mir

    Antwort
    1. Paul Schreyer Autor

      Vielen Dank für Ihren Beitrag! Mir geht es vor allem darum, eine lagerübergreifende Debatte zu fördern, in der sich nicht jeder „hinter Barrikaden verschanzt“, sondern das Gespräch sucht.

      Zu Ihrem Satz: „Jemanden, der vor meiner Haustür um Hilfe bittet, kann ich nicht mit dem Hinweis auf unfaire Handelspraktiken oder falsche sozialpolitische Entscheidungen zurückweisen.“ Darin fallen mir die Worte „kann ich nicht zurückweisen“ auf. Gemeint ist wohl eher „sollte ich nicht zurückweisen“. Das „kann ich nicht“ impliziert, man hätte hier persönlich die volle Entscheidungshoheit und auch die praktische Möglichkeit, unbegrenzt (!) Menschen im eigenen Haus aufzunehmen. Bleibt man beim Bild des vor der Haustür um Hilfe bittenden Menschen, ist klar, dass es sich um keinen Einzelnen handelt, sondern um eine sehr lange Schlange von Menschen. Die Situation ist so komplex, dass man, so denke ich, einen Schritt zurück treten sollte und (gemeinsam) sehr gründlich überlegen muss, wo eine Lösung liegen kann.

      Mein Artikel fokussiert nicht ohne Grund auf die These, dass innerhalb des aktuellen Wirtschaftssystems keine tragfähige und gerechte Lösung möglich sein wird.

      Wenn es im Aufruf zur „Unteilbar“-Demo heißt: „wir lassen nicht zu, dass Sozialstaat, Flucht und Migration gegeneinander ausgespielt werden“, ohne dass näher erläutert wird, wie „nicht zugelassen“ werden soll, was doch schon längst passiert, dann ist das eine Träumerei ohne praktischen Nutzen.

      Gefällt mir

      Antwort
    2. marie

      Ich weiß wie schwer das ist, selbst zu der einsicht zu kommen: ich kann vielleicht (unter finanziell selbst schwierigen bedingungen) einigen ganz wenigen helfen – aber schon stehen an der nächsten und übernächsten ecke menschen … und ich muß einsehen: meine kleine bescheidene hilfe HAT GRENZEN …
      natürlich weiß ich von menschen, die unvorstellbar mehr geld und möglichkeiten (räume) haben und dies problemloser teilen könnten >>> und doch lebe ich in einem system, welches genau diese ungleichheit schafft und immer weiter „saniert“. die ganzen strukturen stimmen nicht – ebenso die ziele und verbreiteten ideologien. erstmal die ganzen zusammenhänge erkennen und dann nicht den helden spielen und deshalb kein schlechtes gewissen zu haben – finde ich eine vorbildliche rolle, die anderen mut macht.
      demut und mut in einer balance zu halten!

      Gefällt mir

      Antwort
  5. Plebs

    „Die derzeitige Debatte krankt in weiten Teilen an einem bestenfalls gutgemeinten, zugleich aber verstörend totalitären Denkmuster …“

    Ich würde Ihnen zustimmen wenn Sie recht hätten: Es findet eben KEINE (längst überfällige) Debatte statt! Von einer strukturell soziopathischen Macht- und Wirtschaftselite, sowie einer völlig in selbstbespiegelnder Dekadenz aufgelösten Politik wird ERNSTHAFT erwartet das der Schwanz mit dem Hund wedelt. Das sich dies aber partout nicht einstellen will und diese Herrschaften durch die dabei entstehenden „Verwerfungen“ unangenehm in ihrem Schönheitsschlaf gestört werden, muß man leider halt IRGENDWAS dazu dekretieren. Und da „Nazi“ und „Rechts“ in diesem Konstrukt BRD schon von je her das Allheilmittel war, wird es nun um so lieber inflationär eingesetzt.

    Der „Wille Flüchtlingen zu helfen“ – „Menschen die wertvoller als Gold“ sind, ist an Verlogenheit und Niedertracht nicht mehr zu überbieten. Alle Menschen – Inländer oder Flüchtling – sind unseren Mächtigen SCHEISSEGAL. Es werden einfach neue, unverbrauchte und noch billigere Arbeitssklaven gebraucht, damit die Maschine weiterbrummt und nebenbei wirtschaftliche Verlustexistenzen wie Politiker, Funktionäre, Pfaffen und ihr nicht minder wertloses Fußvolk ausgiebig alimentiert werden. Die machtversessen und selbstvergessen agierenden Egomanen haben eine Gemengelage geschaffen, in der viele, die jung, gesund und gut ausgebildet sind, bereits mit den Füßen abgestimmt haben – Tendenz steigend. Übrig bleiben die Alten, die Dummen und das zu alimentierende Geschwerl jedweder Couleur. Wir haben längst den „Point of no Return“ überschritten, alles was jetzt geschieht, vollzieht sich im Rahmen einer bereits angelaufenen Eigendynamik der Dinge und wird uns da hinführen wo es zwangsläufig enden muß …

    Gefällt mir

    Antwort
    1. marie

      in meiner geschichts-erinnung sieht es nicht so dunkel aus. da gab es einen „machtversessen und selbstvergessen agierenden Egomanen“ und jede menge unterstützer von ihm … und er war nicht mehr zu bremsen in seinem grenzenlosen wahn – doch er hat nicht mit dem lebens- und kampfeswillen von schlecht ausgerüsteten menschen in der sowjetunion gerechnet …

      und ich glaube an den selbsterhaltungstrieb der großen mehrheit der menschen, der ab einem bestimmten punkt von ihnen aktiviert wird … ja vielleicht ist dies dies mein „zwangsläufiger“ glaube … ich meine so als langzeitstudie und nicht als hau-ruck-aktion

      Gefällt mir

      Antwort
  6. Alexandra

    Eine Frage, die auch in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden sollte: Wo wird das Denken der Mehrheit geprägt? In einem auf Konkurrenz und Wettbewerb basierenden Zwangsschulsystem, das den Grundstein zur Manipulierbarkeit der Menschen legt, indem es sie konsequent von ihren Gefühlen und ihren eigenen Fragen abschneidet…!

    Gefällt mir

    Antwort
  7. fidelpoludo

    »unteilbar« erhebt sich gegen »aufstehen«, um es zu verhindern.​ ​Pseudolinke verhüllen mit links klingenden Parolen ihr Ziel einer mit der neoliberalen Ideologie vereinbares und ihm zuarbeitendes Projekt einer »offenen Gesellschaft«​, verstanden und erkennbar in der u.a. von Soros inspirierten, angetriebenen und finanzierten EU-Programm der »Open-Border-Doktrin«, das Dogma des freien Marktes, das sich auf die vier verpflichtenden „Freiheiten“ des freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Personen und Kapital in der gesamten Union reduzieren läßt. Dazu werden „Offene Grenzen“ gebraucht. Alles andere ist dummes Geschwätz.

    Traurig, aber wahr, dass sich „Attac, Campact, Amnesty International, sowie die Linkspartei-Vorsitzende Katja Kipping, der Satiriker Jan Böhmermann, der Soziologe Harald Welzer und der ARD-Journalist Georg Restle“ dazu missbrauchen lassen und auf den Zug aufsteigen.

    Gefällt mir

    Antwort
  8. fidelpoludo

    „Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß‘!“

    Dass in „unteilbar“ unter dem Motto: „Solidarität statt Ausgrenzung – Für eine offene und freie Gesellschaft“, zu den Unterzeichnern die Organisationen Attac, Campact, Amnesty International, sowie die Linkspartei-Vorsitzende Katja Kipping, der Satiriker Jan Böhmermann, der Soziologe Harald Welzer, die Schriftsteller und Schriftsteller Eva Menasse, Jonas Lüscher, Olga Grasnova, der ARD-Journalist Georg Restle, die Schauspieler(innen) Lisa Maria Potthoff, Esther Schweins, August Zirner, Benno Führmann, Ulrich Schneider (Paritätischer Wohlfahrtsverband), Ayse Demir (Türkischer Bund), Maria Loheide (Sozialpolitik Diakonie), Isabell Senff (ver.di Jugend), Julia Dachroff (Brot für die Welt) gehören, ist so wahr wie traurig, wenn auch nicht unbedingt überraschend.
    Ich wiederhole noch einmal, dass hinter all dem, was sie in fast wörtlicher Übereinstimmumg mit den bisherigen Verlautbarungen von „aufstehen“ auf ihrer Website und ihren veröffentlichten Videos formulieren, eine ganz andere Agenda erkennbar ist, nämlich die der „Open Society“ des George Soros und die entsprechend sprechende „EU-Open-Border-Doktrin“ des „freien Marktes“, den nicht wenige der sich dem anschließenden NGOs zum Teil real bekämpft haben, teils bekämpfen zu wollen vorgeben.

    Der Zeitpunkt der Demonstration verrät einiges, trifft diese wohlgeplante und mit viel Aufwand und Umsicht organisierte Kampagne doch nicht gerade zufällig zusammen mit den recht schwerfälligen Bemühungen der Konstitution von „aufstehen“ zusammen, denen die Initiatoren von „unteilbar“ – nicht ihre zahlreichen Fürsprecher, denen man genug Zustimmungsfähiges zum Anfüttern hingeworfen hat – so schnell und wirkungsvoll wie möglich den Wind aus den Segeln nehmen will, weil sie erkannt haben: Die gewinnen Anhängerschaft und könnten der von der „Open Society“ bereits weltweit erfolgreich installierten „Open-Border-Doktrin“ demokratisch und auf lange Sicht gefährlich werden. Dass es darum geht, wird entweder verschwiegen oder nur ganz am Rande mal erwähnt.

    Unter diesen aktuellen Umständen gewinnen die vergleichsweise unbeholfenen Anstrengungen der „Aufstehensbewegung“ bei mir an Symphatie, Zustimmung und Glaubwürdigkeit, zeugen sie doch – statt dieser nicht so leicht durchschaubaren (und deshalb leich bestreitbaren) „Top-Down-Strategie“ (Farbenrevolutionen, Arab Spring etc.) – von den Schwierigkeiten demokratischer Organisation, die zwar „von oben“ angestoßen wurde, aber im Prozeß ihres Aufstehens und Aufstellens die demokratischen Verfahrens- und Vorgehensweisen, samt der sich in dem Prozeß zu bildenden Institutionen, von denen noch gar nicht feststeht, wie sie beschaffen sind, erst mühevoll sich erarbeiten muß. Weil ein demokratisches „Bottom-Up“, mit „imperativem Mandat“, Transparenzsicherung und -forderung, Gemeinwohlorientierung etc. wegen seiner Uneingeübtheit auf breiterer Basis seine Zeit braucht.

    Danke lieber Soros! Danke liebe „Open Society“! Danke liebe Initiatoren von „Unteilbar“!
    dafür, dass Ihr uns ein Stück deutschen Volksguts wieder in Erinnerung gerufen habt:

    „Heißest du Kunz?“ – „Nein.“ – „Heißest du Heinz?“ – „Nein.“ – „Heißt du etwa Rumpelstilzchen?“
    „Das hat dir der Teufel gesagt, das hat dir der Teufel gesagt,“ schrie das Männlein und stieß mit dem rechten Fuß vor Zorn so tief in die Erde, daß es bis an den Leib hineinfuhr, dann packte es in seiner Wut den linken Fuß mit beiden Händen und riß sich selbst mitten entzwei.

    „Unteilbar“ teilt – oder will teilen!
    Das ist ihr Name.

    Gefällt mir

    Antwort
  9. fidelpoludo

    „aufstehen“ blieb sitzen, während „unteilbar“ unheilbar vor den offenen Grenzen der „Open Society“ auf die Knie fällt:

    „Die eine „Haarspalterin“ übergibt die Axt dem nächsten „Haarspalter“
    Warum es gut war, dass „aufstehen“ sitzen blieb!

    Die „Tagesschau“ beweihräucherte die „überwältigende“ Großdemonstration in der ersten Meldung des Tages mit den begeisterten Stimmen einer Auswahl euphorisierter Teilnehmer in Festtagsstimmung, als hätte „die Mannschaft“ gerade wieder einmal die WM gewonnen und uns gezeigt, „wie die Gegner“ und „wie w i r gehen“: sie kriechen am Boden und wir hoch erhobenen Hauptes.
    Heiko Maas erteilte der Menge den unheilbaren Segen „Urbi et Orbi“.
    Wohl kaum einer der Teilnehmer hatte es wohl für notwendig befunden, sich etwas näher mit dem Text des Gründungsaufrufes von „unheilbar“ auseinander zu setzen. Wozu auch? Wir feiern die Feste, wie sie fallen.

    Zum Glück lebe und blieb ich in der Provinz, so dass ich von der ansteckenden Trance einer bewußtlosen Versenkung „aus Gründen der Mitmenschlichkeit, der Menschenrechte und des Friedens“, bewahrt blieb und folgte lieber den Spuren jener „zu verachtenden“ „Gebildeten, welche mit spitzfindigen, destruktiven, akademischen Haarspaltereien die Demonstrationsteilnehmer herabwürdigen, ins Lächerliche ziehen“, und das ohne ihnen – wie es vom Gutmenschen gefordert war und erwartet wurde, den Demonstranten „meinen grössten Respekt und Hochachtung“ zu bekunden. Ließ angeblich „jeglichen Respekt und jegliche Empathie vermissen“, was sich erklären läßt aus der Unfähigkeit, „die starken Zeichen, welche diese ungewöhnlich vielen Menschen setzten, verstehen zu wollen oder zu können“.

    Nach einer eher dürftig ausgefallenen Kurzformulierung meines Unbehagens stieß ich auf den „spitzfindigen, destruktiven, akademischen Haarspalter-Beitrag von Dagmar Henn
    https://kenfm.de/unteilbar-gutes-gefuehl/
    und fühlte mich gleich sowohl besser aufgehoben als auch meinen eigenen Durchblick als zu unterkomplex, weil er sich nicht wie sie detailliert-haarspalterisch schon weit vor dem Massenauflauf auf den Gründungstext von „unheilbar“ konzentriert hatte.

    Eine „haarspalterisch-apathisch-respektlos-spitzfindig-destruktiv-herabwürdigende“ Herangehnsweise muß allerdings nicht der Analyse von Texten vorbehalten bleiben, sondern kann sich auch auf die teilnehmend-beobachtende Beschreibung eines „Ereignisses“ stürzen – wie uns Ulrich Gellermann in „Unteilbar gutes Gefühl“. Das Fest der Freundlichkeit in Berlin in unnachahmlicher Weise vorführt:
    https://kenfm.de/unteilbar-gutes-gefuehl/

    Ein kleines Bündel ausgerissener von ihm gespaltener Haare gefälligst?

    „Fraglos gehörten die Aktionsteilnehmer zu den ehrlichen Erben jener unzähligen Helfer, die Merkels „wir-schaffen-das“ mit echtem Pflicht- und Mitgefühl eingelöst haben. Wo wird sie hingehen, diese große, schöne Freundlichkeit? Wer wird sie einsammeln, die vielen guten Menschen? Die Wahlen in Bayern zeigen erneut, dass es die GRÜNEN sind, die aus einer ernsten Friedensbewegung stammen, die sie von Jugoslawien bis Afghanistan verraten haben und noch immer verraten. In deren Sammlungs-Sack die Stimmen landen und damit in der Bewusstseinslosigkeit.

    Es war Bundesaußenminister Heiko Maas, der #Unteilbar in Berlin noch kurz vor dem Start den letzten Kick gab: „Es ist ein großartiges Signal, dass so viele auf die Straße gehen und klare Haltung zeigen: Wir sind unteilbar“. Dieser oder jener Teilnehmer der vom Kipping-Flügel der Linkspartei inspirierten Aktion wird sich nicht so richtig wohl gefühlt haben. Denn es war Maas, der sich noch jüngst bei der saudischen Diktatur für seinen Vorgänger Gabriel entschuldigte. Der hatte den Saudis „Abenteurertum“ im Nahen Osten vorgeworfen. Saudi-Arabien hatte daraufhin verärgert seinen Botschafter abgezogen und eine Entschuldigung der Bundesregierung gefordert. Dabei sorgen die saudischen Kriegsverbrecher nur für neue Flüchtlinge in und um Jemen herum. Da braucht man natürlich jene offene Grenzen, die #Unteilbar im Aufruf zur Berliner Aktion betont friedlich forderte.

    Kaum von Heiko Maas verabschiedet, bot sich den Kämpfern für offene Grenzen ein garantiert unschädlicher Demo-Bereich zur Integration in den oppositionellen Mainstream an: Der Demo-Block „Die offene Gesellschaft“ – supported by Bertelsmann – bot all jenen Unterschlupf, die zwar irgendwie dagegen sind, aber auch dafür.“

    „unteilbar“ teilt – unheilbar?
    (fragt sich das Stimpelrulzchen…)

    Gefällt mir

    Antwort
  10. fidelpoludo

    „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern!“

    „unheilbar“-aufgeklärt gibt sich ein Großteil der „weltoffenen“ Demonstranten in Berlin.
    Lebensfroh, urban-weltstädtisch und scheinspontan und -links feiern sie ihre „liberale“ Überlegenheit gegenüber der ach so „zurückgebliebenen“ Provinz und zimmern mit an der Errichtung eines Feindbildes (1) von nazi-affinen Kleinbürgern, Bauern und Arbeitern und Angestellten, die „bloß“ ein ordentlich geregeltes Leben führen wollen, das sich nicht „heute hier und morgen da“ abspielt, sich nicht von Kick zu Kick, von Hype zu Hype, von Party zu Party, von Spaß zu Spaß, von Event zu Event, von Geschäftsabschluß zu Geschäftsabschluß, von manipulativem Deal zu manipulativem Deal, von legaler rechtsverdrehender Lobbyarbeit zu legaler rechtsverdrehender Lobbyarbeit, von krimineller Steuerhinterziehung zu krimineller Steuerhinterziehung, vom einem Übers-Ohr-Hauen zum anderen Übers-Ohr-Hauen treiben lassen will.

    In diesem Sinne war Berlin eine Reaktion auf Chemnitz. Dort sei ja Rassismus und Fremdenfeindlichkeit am Werk gewesen. Das sind „unsere Feinde“. Die gilt es auszugrenzen. Weil sie unser ach so weltoffenes global sich ausbreitendes Spiel nicht mitspielen wollen. Mögen diese „Deplorabels“ unter sich bleiben und von der Straße bitteschön fern gehalten werden. Wenn sie in Chemnitz schon nicht unsere tollen wegweisenden Lieder und Sprüche („Egal, wie Volk ihr seid, wir sind Völker“) zur Kenntnis nehmen wollten, marschieren wir – keine Grenzen mehr anerkennend – demnächst über Berlin nach Brüssel und New York. Denn die Straße gehört uns – wie die Luft- und Seewege, die Social-Media, die Humanität und Menschenrechte verbreitenden Kriege, überhaupt alles, was Grenzen auflöst. So sieht „Solidarität ohne Grenzen“ in einer „Offenen Gesellschaft“ („Open Society“ alias „Open-Border-Doctrin“) – dogmatisch – aus! You got it? Wenn nicht, wir können auch anders! „War on Terror!“

    Prophylaktisch – Vorbeugen ist besser als Heilen – geht es aber außerdem noch um die sorgsam geplante Errichtung von Feindbild 2, der „Aufstehensbewegung“, der mit pseudolinken Phrasen und der Benennung von sozialen und ökonomischen Mißständen, ohne Hinweise auf ihre Ursachen und ihren Zusammenhang, einerseits der Wind aus den Segeln genommen werden soll, und andererseits unbedingt verhindert werden soll, dass sie Anhänger bei den „Deplorabels“ (den „Rassisten“ und „fremdenfeindlichen“ „Nationalisten“) finden könnte. Der Begriff dafür, „Querfront“ (künstlich im Orwllschen Neusprech neu belebt, zunächst um kritische Begleiter des Geschehens mundtot zu machen) ist schon geschaffen: Eine „Querfront“ gilt es zu verhindern. Es könnte sich erweisen, dass solche Absichten sich von einem bestimmten historischen Punkt an in ihr Gegenteil verwandeln: daß die einst damit Drangsalierten ihn sich voller Stolz anzuheften beginnen. Huren und Schwule haben es vorgemacht. Verschwörungstheoretiker und Querfrontler sind auf dem besten Wege, ihrem Erfolgsrezept zu folgen.

    „I take pride in the words: ‚Ich bin ein Schmuddelkind!'“

    Gefällt mir

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s