Vortrag von Rainer Mausfeld im SWR: „Degeneration des öffentlichen Debattenraumes rückgängig machen“

3. Dezember 2018   —   Gestern strahlte der SWR im Rahmen der Sendereihe „Teleakademie“ einen Vortrag von Prof. Rainer Mausfeld aus. Unter dem Titel „Elitendemokratie und Meinungsmanagement – Hat sich die Vorstellung vom ‚mündigen Bürger‘ überlebt?“ schildert Mausfeld darin unter anderem den Streit zwischen den beiden amerikanischen Intellektuellen Walter Lippmann, einem Anhänger der Elitendemokratie, und John Dewey, einem Radikaldemokraten. Für Lippmann gehörte die Demokratie in die Hände von Experten, da das Volk zu apathisch, ignorant und von Vorurteilen geleitet sei. Dewey hingegen betonte, dass die politische Intelligenz der Bevölkerung zunächst einmal davon abhänge, dass der öffentliche Debattenraum überhaupt intakt ist. Mit anderen Worten: Interessengeleitete Medien voller Auslassungen, Manipulationen und Propaganda machen eine kompetente Willensbildung – und damit auch die Demokratie – unmöglich. Mausfeld zitiert hierzu Deweys eindringliche Schlussfolgerung:

„Solange bei der Unterrichtung der Öffentlichkeit Geheimhaltung, Parteilichkeit, Vorurteile, Falschdarstellungen, Propaganda und schiere Ignoranz überwiegen, gibt es keine Möglichkeit, die politische Intelligenz der Massen zu beurteilen.“

Ein weiterer Schwerpunkt im Vortrag ist Mausfelds Analyse, dass der Debattenraum, also das Spektrum der im Mainstream akzeptierten und diskutierten Meinungen, in den vergangenen Jahrzehnten immer enger geworden sei. Sein Schlusswort:

„Unsere vordringliche Aufgabe besteht darin, die systematisch herbeigeführte Degeneration des öffentlichen Debattenraumes rückgängig zu machen – dazu kann jeder etwas beitragen – und auf diese Weise den Möglichkeitsraum von Handlungs- und Denkoptionen zu weiten und einer wirklichen Demokratie eine Chance zu geben.“

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8 Gedanken zu „Vortrag von Rainer Mausfeld im SWR: „Degeneration des öffentlichen Debattenraumes rückgängig machen“

  1. marie

    Dewey hat es auf den punkt gebracht … ABER: es gibt (noch) debattenräume, die mit kommentaren gefüllt werden können. vielleicht liegt vieles einfach an uns selbst? (freiheit bekommt man nicht geschenkt, sie muß erkämpft werden) habe nur gerade zufällig ein video aus frankreich gesehen >>> mit 1.671 kommentaren an einem tag

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    1. gabriele weis

      Protest und Kommentare haben ihren Wirkungskreis – der einer öffentlichen Debatte in zumindest virtuellem Raum, täglich transparent zugänglich und differenziert voranzutreiben, wie es wohl Mausfeld anmahnt: das wäre ein unbedingt erforderlicher zusätzlicher Wirkungskreis, denke ich…

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  2. Klabautermann

    Das große Problem ist jedoch, daß der öffentliche Debattenraum, so wie ihn kluge Menschen beschreiben, und so wie ihn Rainer Mausfeld beschreibt, daß dieser öffentliche Debattenraum immer weiter eingeschränkt wird, sofern er überhaupt noch medial vorhanden ist.
    Durch Gesetze und Verordnungen, wie dem NetzDG oder der DSGVO, um nur 2 Beispiele zu nennen. Der nächste Schritt ist schon in Planung und Umsetzung, daß die Kritik am GCM (Global Compact for Migration) zu einer Straftat erklärt wird und die politischen Vertreter offen damit drohen.
    Es geht sogar so weit, daß legitimes demonstrieren gegen Mißstände, und wieder kommt der GCM ins Spiel, durch Denunziation einzelner Personen, aus dem privaten Bereich und ihrer gesellschaftlichen Zerstörung, schon eingesetzt hat. Denunzianten werden öffentlich, also im Internet, mit Geldzuwendungen, aufgefordert Teilnehmer, z.B. Arbeitskollegen, via fotografierter Demo-Teilnehmer, bei ihren Arbeitgebern zu verunglimpfen.
    Zu dieser Methode kann einem der bekannte Slogan „Kauft nicht bei Juden“ einfallen. Damals von den Faschisten und heute von der Antifa praktiziert. Die Wiedereinsetzung eines fast nicht mehr vorhandenen öffentlichen Debattenraumes soll damit schon im Keim erstickt werden. Cui bono?

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  3. Hans Dietrich

    Es trifft sich! Die letzten Artikel und die Feierlichkeiten zu 70 Jahre UN-Menschenrechtscharta.

    Das ZDF sendet heute Abend die Dokumentation „Unantastbar“ von Angela Andersen und Dr. Claus Kleber, Jurist und Autor des Buches „Rettet die Wahrheit“. Die Doku ist aber auch schon in der Mediathek abrufbar. Einen kritischen Kommentar zu den hiesigen Verhältnissen sucht man natürlich in den fast 90 Minuten vergebens.

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