Rainer Mausfeld: Angst und Macht

WEST_Mausfeld_Angst_lay7.indd2. Juli 2019   —   Heute erscheint ein neues Buch von Rainer Mausfeld: „Angst und Macht: Herrschaftstechniken der Angsterzeugung in kapitalistischen Demokratien“. In dem schmalen, gut 120 Seiten umfassenden Band gelingt es dem Autor erneut, wie nur wenigen sonst, die Grenzen des öffentlichen Denkens zu beleuchten. Mausfeld erklärt und analysiert Ideologien, die vielen als unhinterfragbare Naturgesetze erscheinen. Er eröffnet damit einen verloren gegangenen gedanklichen Bewegungsspielraum, der notwendige Voraussetzung jeder gesellschaftlichen Veränderung ist. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages veröffentliche ich im Folgenden einen Auszug aus dem Buch.


Kapitalismus ist wesensmäßig mit der Erzeugung von Angst verbunden. Die kapitalistische Eigentumsordnung verpflichtet alle, die über kein eigenes Kapital verfügen, für fremdes Eigentum zu arbeiten, und überführt damit Arbeit in Lohnarbeit. Der Kapitalismus beruht darauf, Kapital zu akkumulieren, indem ein erzielter Mehrwert in vermehrtes Kapital rückverwandelt wird. Arbeit im Kapitalismus bedeutet also Unterwerfung unter die Verwertungsbedingungen des Akkumulationsprozesses und damit unter die Machtverhältnisse, in denen eine Minderheit von Besitzenden Macht über eine Mehrheit von Nichtbesitzenden ausübt. Die Überlebensgrundlage der Nichtbesitzenden hängt also vom erfolgreichen Verkauf der eigenen Arbeitskraft an die Besitzenden ab. Der Zwang zur Lohnarbeit stellt in kapitalistischen Demokratien den Hauptfaktor der Erzeugung gesellschaftlicher Angst dar. (1) Arbeit im Kapitalismus ist grundsätzlich ohne Angst undenkbar. Damit stellt der Kapitalismus bereits strukturell den Rohstoff »Angst« bereit, der sich – direkt wie auch über seine Folgen – für Machtzwecke manipulativ ausbeuten lässt.

Der Kapitalismus will uns zu einem Teufelspakt verführen. Er verspricht uns immerwährenden Fortschritt und eine kontinuierliche Verbesserung unseres Lebensstandards und sorgt zugleich dafür, dass wir große Mühen haben, den dafür zu entrichtenden Preis – sei er psychisch, sozial oder ökologisch – überhaupt erkennen zu können. Zugleich erzeugt eben dieses illusionäre Versprechen Angst. Schon vor der Anfang der 70er-Jahre beginnenden neoliberalen Revolution stellte Karl Jaspers 1966 fest: »Der Bevölkerung der Bundesrepublik geht es wirtschaftlich so gut wie noch nie, mit Ausnahme der Schlechtweggekommenen, von denen man selten spricht. Es herrscht eine Zufriedenheit im Eifer des Lebensgenusses bei ständig geringer werdender Arbeitszeit und Vermehrung der Konsumgüter, der Reisemöglichkeiten und Vergnügungen. Trotzdem gibt es eine Unruhe. Ist dies Leben auch sicher? Man fürchtet.« (2)

Der Kapitalismus verfügt über eine gigantische »illusionserzeugende Kraft« (3), die uns süchtig nach einem Mehr macht und damit zugleich unsere Ängste schürt, dass es nicht unbegrenzt so weitergehen kann. Gerade die Besserweggekommenen sind ängstlich auf die Bewahrung und Verteidigung ihres Status quo fixiert und begegnen allen Bemühungen um die Schaffung einer menschenwürdigeren Gesellschaft mit Misstrauen und Ablehnung.

Da jedoch die illusionserzeugende Kraft des Kapitalismus immer wieder durch die dem Kapitalismus innewohnenden Krisendynamiken brüchig wird, werden zusätzliche Herrschaftstechniken der Angsterzeugung benötigt, damit die Kluft zwischen demokratischer Rhetorik und kapitalistischer Realität nicht in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gelangt. Drei dieser traditionellen Techniken der Angsterzeugung sollen hier kurz angesprochen werden:

1. die Entformalisierung des Rechts durch systematische Verwendung unbestimmter Rechtsbegriffe,

2. die Ideologie der Meritokratie sowie

3. die Psychotechnik der propagandistischen Erzeugung von vorgeblichen Bedrohungen.

Angsterzeugung durch Entformalisierung des Rechts

Demokratie ist auf ein formal hinreichend klar fixiertes Recht angewiesen, durch das auch bei der Gesetzesanwendung die strikte Bindung aller Staatsapparate an das demokratisch gesetzte Recht garantiert wird. Diese Bindung wird gelöst, wenn bei den Gesetzgebungsverfahren Gesetze durch Verwendung unbestimmter, also nicht hinreichend präzisierter Rechtsbegriffe als – wie Ingeborg Maus dies nennt – »Gesetzesattrappen« formuliert werden, deren Spezifikation und Füllung dann nach Ermessen der anwendenden Instanzen erfolgen kann. Wenn gesetzliche Vorgaben durch Verwendung unbestimmter Rechtsbegriffe – wie beispielsweise »Befürwortung von Gewalt«, »öffentliche Sicherheit«, »Gefährder« oder mit vagen Zielvorgaben oder Generalklauseln, wie »nach pflichtgemäßem Ermessen« – entformalisiert werden, wird die rechtliche Entscheidung eines Sachverhalts gerade nicht durch ein Gesetz bestimmt, sondern durch die Staatsapparate; sie können im konkreten Anwendungsfall die Gesetze nach eigenem Ermessen interpretieren und anwenden.

Werden rechtliche Vorgaben also nicht hinreichend formal fixiert, sondern erst in einer konkreten Situation durch die exekutiven Apparate interpretiert, so steigt der Einfluss, den politisch oder ökonomisch mächtige Akteure bei einer situativen Auslegung von Gesetzen haben. Es »genügt der Einbau einer einzigen unbestimmten Rechtsformel in ein Gesetz von ansonsten größter Feinregulierung, um im konkreten Anwendungsfall je nach Bedarf die Einzelbestimmungen des Gesetzes aus den Angeln zu heben. Diese Kombination aus Präzision und Unbestimmtheit in vielen gegenwärtig vordringenden Gesetzesattrappen stellt den politischen Institutionen jeweils zwei Formen der Rechtsanwendung zur Wahl und erweitert damit deren Handlungsspielräume, ohne den legitimatorischen Schein der Gesetzesbindung der Staatsapparate aufzugeben.« (4) Durch die legislative Verabschiedung von Gesetzesattrappen – Maus warnt vor einem »System der Selbstversorgung der Regierung mit Gesetzen« (5) – und durch die Verwendung unbestimmter Rechtsbegriffe wird die Demokratie von der Exekutive gleichsam durch die Hintertür entleert: »Dass das Volk aber realiter von den bloß Ermächtigten übermächtigt wird, ist Folge der Entformalisierung des Rechts, das die ›anwendenden‹ Instanzen nach Belieben interpretieren.« (6)

Am Beispiel der Umweltgesetzgebung illustriert Ingeborg Maus, wie eine Entformalisierung des Rechts zu einer Refeudalisierung des Rechts führt: »Der Prozess der Refeudalisierung, der bereits in der Abwanderung der Politik in mächtige Subpolitiken liegt, wird durch die Favorisierung der Justiz als dezentraler Schlichtungsinstanz noch verschärft. Auf diese Weise kommt es auch zu einer Refeudalisierung des gesamten Rechtssystems: während der individuelle Mord, die handgreifliche Körperverletzung und die einzelne Tierquälerei wie eh und je den klassischen Verboten des Rechts unterliegen, errichtet die lediglich gerichtsförmige Einzelfallbearbeitung von Umweltschäden für die millionenfachen Täter wahrhaft feudale Privilegien, die den Universalismus des modernen Rechts ganz grundsätzlich außer Kraft setzen.« (7)

Durch eine Entformalisierung des Rechts haben nämlich mächtige ökonomische Interessengruppen sehr viel höhere Chancen als der Einzelne, die für sie vorteilhaften Lesarten bei der Anwendung eines Gesetzes durchzusetzen.

Einer Entformalisierung des Rechts kommt auch im Rahmen eines Dissens- und Empörungsmanagements eine große Rolle zu, da sie unter anderem den Weg zu einem Gesinnungsstrafrecht eröffnet. Dazu bietet sich etwa der Begriff des »Gefährders« an. Als Gefährder seien Personen anzusehen, bei denen bestimmte Tatsachen die Annahme der Polizeibehörden rechtfertigen, dass diese Personen erhebliche Straftaten begehen könnten. Wolfgang Schäuble sprach sich 2007, als damaliger Innenminister, für Internierungslager für Gefährder aus. (8) Nach dem 2017 verabschiedeten Bayerischen Polizeiaufgabengesetz können Gefährder, ohne dass eine Straftat vorliegt, schon wegen sogenannter »drohender Gefahr«, unbefristet in Haft genommen werden. Eine Person kann also in eine »Unendlichkeitshaft« (Heribert Prantl) genommen werden, ohne eine Straftat begangen zu haben.

Durch geeignete unbestimmte Rechtsbegriffe kann schon die bloße Anwesenheit an einer Demonstration, bei der es zu Sachbeschädigungen kam, als »gemeinsamer Tatentschluss« interpretiert werden, durch den Einzelne für das Verhalten anderer haftbar gemacht werden können. Dies wiederum hat – politisch genau gewünscht – zur Folge, dass grundsätzlich die Bereitschaft, eigene Handlungsspielräume zur Artikulation von politischem Protest und Dissens wahrzunehmen, sinken wird. Andererseits ist in Fällen von Wirtschaftskriminalität kaum damit zu rechnen, dass die anwendenden Instanzen zu einer entsprechenden Auslegung eines »gemeinsamen Tatentschlusses« kämen. Auch hier eröffnet eine Entformalisierung des Rechts, wie eine Fülle aktueller Fälle illustriert, mächtigen Akteuren »wahrhaft feudale Privilegien«. (9)

Demokratisches Recht verlangt Rechtssicherheit und Rechtsklarheit durch präzise gefasste und inhaltlich allgemeine, gesetzliche Tatbestände. (10) Eine Entformalisierung des Rechts lässt, besonders im Bereich derjenigen gesellschaftlichen Aktivitäten, durch die ein politischer Dissens artikuliert wird, staatliches Handeln unvorhersehbar und unberechenbar werden. Die derart erzeugten Ängste sind politisch erwünscht. Eine Entformalisierung des Rechts ebenso wie eine Ermöglichung einer Blanko- und Vorschusslegalität, also das Erlassen von Gesetzen, die nur nachträglich, gleichsam auf Vorschuss oder blanko definieren, was erlaubt oder verboten ist, stellen, wie der Rechtswissenschaftler Günter Frankenberg im Detail aufzeigt, wesentliche Methoden einer »Staatstechnik« zur Stabilisierung von Machtverhältnissen dar. (11)

Unbestimmte Rechtsbegriffe, die den Apparaten der Exekutive einen an Willkür grenzenden Spielraum bei einer situativ bestimmten Auslegung lassen, durchziehen in charakteristischer Weise auch rechtswissenschaftliche Diskussionen zur Einführung eines »Feindstrafrechts«, wie es von dem renom- mierten Rechtswissenschaftler Günther Jakobs vorgeschlagen wird. Eigentlich ist die Einführung des Begriffes »Feind« in das Strafrecht rechtsstaatlich absurd, weil jemand, der sich legal verhält, nicht aus Gründen, die innerhalb der Rechtsordnung nicht erfasst werden – und sich beispielsweise auf eine rechtlich nicht kodifizierte »Wertordnung« beziehen –, nicht als »Feind« bezeichnet werden kann. Die Idee eines Feindstrafrechts zielt auf die Entwicklung eines Strafrechts, das bestimmten Gruppen von Menschen die Bürgerrechte versagt und sie als Feinde der Gesellschaft oder des Staates außerhalb des für die Gesellschaft geltenden Rechts stellt.

Das Feindstrafrecht löst die Exekutivorgane von rechtsstaatlichen Bindungen und ermöglicht ihnen die Anwendung aller zur Verfügung stehenden Mittel. Bei der Festlegung dessen, was als bestimmendes Merkmal eines »Feindes« anzusehen sei, spielt bei Jakobs der Begriff der »kognitiven Sicherheit« eine wichtige Rolle: »Wer keine hinreichende kognitive Sicherheit personalen Verhaltens leistet, kann nicht nur nicht erwarten, noch als Person behandelt zu werden […] Der prinzipiell Abwei- chende bietet keine Garantie personalen Verhaltens; deshalb kann er nicht als Bürger behandelt, sondern muss als Feind bekriegt werden.« (12) Das Feindstrafrecht ist also bereits seinem Wesen nach ein Angstrecht und dient dazu, den Status quo zu stabilisieren.

Die Ideologie der Meritokratie als Ursprung gesellschaftlicher Angst

Eine »gute« Regierung, so war man schon in der Antike überzeugt, könne nur eine Regierung der Wenigen und Tüchtigsten sein. Platon wie Aristoteles sahen daher, wenn auch in unterschiedlicher Weise, die Regierungsform der Demokratie als eine Verfallsform guter Regierungsformen an. Eine Demokratie könne nämlich dazu führen, dass die Mehrzahl der Nichtbesitzenden – also »Untüchtigen« – die Eigentumsordnung in Frage stellt, was für die Minderheit der Besitzenden – also Tüchtigen – von Nachteil sei.

Die meritokratische Ideologie geht jedoch über die Vorstellung hinaus, dass politische Herrschaft den Besten und Geeignetsten zukommen solle. Vielmehr sucht sie für soziale Hierarchien einer Gesellschaft insgesamt eine Rechtfertigung zu liefern. In einer meritokratischen Gesellschaft nimmt jedes Mitglied die von ihm verdiente, gesellschaftliche Position ein. Die Reichen haben ihren Reichtum und ihre soziale Position durch ihre Tüchtigkeit verdient, und aus gleichem Grund sind die Armen zu Recht arm. Die meritokratische Ideologie dient gerade dazu zu verschleiern, dass zwischen beiden ein gesellschaftliches Beziehungsverhältnis besteht. Zu Beginn des 5. Jahrhunderts forderte ein unbekannter römischer Autor:

»Man beseitige die Reichen und es gibt keinen Armen mehr! Wenn niemand mehr besitzt, als das was nötig ist, so haben alle das, was nötig ist. Denn wenige Reiche sind die Ursache von vielen Armen.« (13)

Wörtlich bedeutet Meritokratie, dass diejenigen zur Ausübung von Macht legitimiert sind, die sich durch Leistungen ein Verdienst erworben haben. Bereits in dieser Bestimmung wird eine charakteristische Zirkularität erkennbar, denn welches Verdienst könnte größer sein als dasjenige, zur besitzenden und herrschenden Klasse zu gehören? Auch wenn das Wort »Meritokratie« neueren Ursprungs ist, so reichen die Wurzeln meritokratischer Rechtfertigungsbemühungen sozialer Unterschiede weit in die Zivilisationsgeschichte zurück. Sie fanden bei Platon und Aristoteles einen wirkmächtigen Ausdruck, dessen Echo über alle egalitär-demokratischen Bestrebungen hinweg bis in die Gegenwart nachhallt. (14) Meritokratie und Kapitalismus sind dabei eine besonders enge Beziehung eingegangen, weil der Kapitalismus über den Kapitalbesitz ein präzisierbares und quantifizierbares Maß zur Bewertung von Verdienst offeriert. (15)

Es gehört zur Beschaffenheit des Menschen, dass der sich in einer glücklichen sozialen Situation Befindende nicht einfach glücklich sein will, sondern dazu neigt, sich zu vergewissern, dass er auch ein Recht auf dieses Glück besitzt und somit die Not anderer Menschen als ebenfalls gerechtfertigt betrachten kann. Max Weber sprach 1916 in seiner Einleitung zur Wirtschaftethik der Weltreligionen von einer »Theodizee des Glücks« – Theodizee bezeichnet dabei die christlichen Versuche einer Erklärung, wie es ein allmächtiger und gütiger Gott zulassen könne, dass guten Menschen so viel Böses widerfahre.

»Das Glück will legitim sein. Wenn man unter dem allgemeinen Ausdruck: ›Glück‹ alle Güter der Ehre, der Macht, des Besitzes und des Genusses begreift, so ist dies die allgemeinste Formel für jenen Dienst der Legitimierung, welchen die Religionen dem äußeren und inneren Interesse aller Herrschenden, Besitzenden, Siegenden, Gesunden, kurz: Glücklichen zu leisten hatte: kurz die Theodizee des Glücks.«

In einem Hirtenbrief der Bischöfe Spaniens von 1954 hieß es: Es muss Arme geben, damit die Reichen das Gebot der Nächstenliebe überhaupt erfüllen können. Erst das Leiden der Armen ermöglicht den Reichen, ihre Güte zu zeigen. Die Armen sind also nicht nur unverzichtbar als materielle Basis für den Reichtum der Reichen; sie sind auch unverzichtbar für deren spirituelle Erbauung. Reichtum wünscht sich moralisch zu nobilitieren. Mit Reichtum können sich die Reichen sogar die Verehrung durch die Armen erkaufen. Von John D. Rockefeller bis Bill Gates zeigt sich, welch wirkungsvolle und ertragreiche Wege einer Metamorphose zum »Philanthropen« kapitalistische Demokratien denjenigen offerieren, die durch Ausbeutung von Gemeingütern, Menschen und Institutionen großen Reichtum akkumuliert haben.

Die Ideologie der Meritokratie gehört zu »all denjenigen Strategien, deren Funktion es ist, die Dinge so, wie sie sind, zu rechtfertigen«. (16) In kapitalistischen Demokratien dient die Ideologie der Meritokratie dazu, den Status quo einer Herrschaft der Besitzenden zu rechtfertigen und die Nicht-Besitzenden zu einer Duldung und Zustimmung zu bringen, indem ihnen die Hoffnung vermittelt wird, dass sie bei genügender Leistung und Anstrengung ihren sozialen Status verbessern könnten. Durch eine derartige Ideologie einer Leistungsgesellschaft wird suggeriert, dass die eigene soziale Position durch Begabung und Leistung bestimmt sei und in diesem Sinne die Gesellschaft eine gerechte sei.

Tatsächlich bestimmen jedoch, wie Franz Neumann feststellte, nicht »die Anstrengungen des Einzelnen, seine Intelligenz, seine Vision, seine Risikobereitschaft« den sozialen Erfolg: »Für den Erfolg in der heutigen Gesellschaft ist es viel wichtiger, mit den Mächtigen gut zu stehen, als sich durch eigene Kraft zu bewähren.« (17) Zu den paradoxen Eigenschaften einer kapitalistischen Leistungsgesellschaft gehört es, dass sie denjenigen, die über Kapital verfügen, das feudale Privileg auf ein unbegrenztes leistungsloses Einkommen verschafft, also das paradiesische Privileg, ohne Arbeit, ohne Risiko und ohne sich einzuschränken gleichsam im Schlaf reich zu werden, wie John Stuart Mill 1848 bemerkte. (18)

Die Ideologie einer Leistungsgesellschaft, in der der gesellschaftliche Status eines Menschen durch seine individuell erbrachten Leistungen bestimmt sei, ist so tief in unserer Kultur verankert, dass wir sie gar nicht mehr als Ideologie bemerken. Schule, Universitäten und der gesamte Bildungsbereich dienen ihrer Verbreitung und sind auf ihrer Grundlage organisiert. Sie führt bei denjenigen, die nicht zu den sozial glücklich Gestellten einer Gesellschaft gehören, dazu, dass diese sich die Ursachen für ihre Situation selbst zuschreiben. Sie erzeugt daher bei einem großen Teil der Bevölkerung angst- und schamauslösende Versagensgefühle.

Diese werden jedoch nicht als Realangst ungerechten sozialen Verhältnissen zugeschrieben und in eine gesellschaftliche Veränderungsenergie umgesetzt. Vielmehr werden die gesellschaftlichen Verhältnisse, die nicht mehr als etwas Überwindbares und Abänderbares erkannt werden können, gleichsam nach innen verlegt. Die Versagensängste werden zu Binnenängsten, die eine lähmende Scham erzeugen können und dadurch wiederum zu einer Entpolitisierung beitragen. Diese Transformation von Realangst in Binnenangst wird im Neoliberalismus durch die Ideologie des »unternehmerischen Selbst« zu ihrem Extrem geführt, wie weiter unten aufgezeigt werden soll.

Angsterzeugung durch die propagandistische Erzeugung einer vorgeblichen Bedrohung

Manifeste Angst in der Bevölkerung kann besonders wirksam durch die massenmediale Propagierung tatsächlicher oder vermeintlicher Gefahren gesteigert werden. Historische und aktuelle Beispiele dazu gibt es im Überfluss. Prominentes historisches Beispiel ist die Art und Weise, wie unter US-Präsident Woodrow Wilson (1856 – 1924) eine kriegsunwillige Bevölkerung in recht kurzer Zeit kriegsbereit gemacht wurde.

Ein aktuelles Beispiel ist der durch die USA und NATO orchestrierte Aufbau eines russischen Feindbildes. Die Geschichte hat immer wieder gezeigt, dass sich durch die Projektion eigener Motive auf »den Feind« – die man dann beim Feind bekämpfen kann – die Duldung oder Zustimmung der Bevölkerung für einen geplanten Angriffskrieg gewinnen lässt. Der Angriffskrieg wird dann einfach deklariert als Verteidigungskrieg gegen einen mächtigen Aggressor, der »uns« und »unsere Werte« zu zerstören drohe. Bereits 1927 erkannte der Politikwissenschaftler Harold Lasswell: »Die psychologischen Widerstände gegen Krieg sind in modernen Nationen so groß, dass jeder Krieg als ein Verteidigungskrieg gegen einen bedrohlichen, mörderischen Aggressor erscheinen muss. Es darf keine Zweifel darüber geben, wen die Öffentlichkeit zu hassen hat.« (19)

Da beispielsweise beim gegenwärtigen Aufbau eines russischen Feindbildes die eigentlichen Motive einer aggressiven Machtpolitik der USA Teilen der Bevölkerung jedoch nicht gänzlich verborgen bleiben, ist es notwendig, eine Vielzahl von »Zentren der strategischen Kommunikation« aufzubauen, in denen geeignete Methoden eines »perception managements« und zur »Kontrolle der Narrative« entwickelt werden, auf deren Basis dann durch Einbezug der Medien gezielte Desinformation betrieben werden kann. Ein gegenwärtiges Beispiel für die Koordination derartiger Desinformationskampagnen stellt die Integrity Initiative dar; dabei handelt es sich um ein von Großbritannien aus operierendes internationales verdecktes Netzwerk zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung und politischer Entscheidungsträger, das vom britischen und amerikanischen Außenministerium und der NATO finanziert wird und unter dem Leitspruch »Defending Democracy Against Disinformation« europaweit antirussische Medienkampagnen koordiniert. (20)

Demselben Zweck einer Verdeckung eigener Ziele und Absichten dient eine Angsterzeugung durch propagandistische Deklaration einer großen Gefahr X, der die Bevölkerung durch einen »Kampf gegen X« entschlossen entgegentreten müsse. Eine derartige propagandistische Warnung begleiten die staatlichen Apparate durch »die gegenwärtig alles beherrschende Verheißung des Schutzes vor Terrorismus und Bösem aller Art«. (21) X kann dabei so ziemlich alles sein, was sich irgendwie wirksam zur Angsterzeugung nutzen lässt. X kann also für »Kommunismus« stehen, für Migranten, »Sozialschmarotzer«, Terrorismus, Fake News und Desinformation, Rechtspopulismus, Islamismus oder für irgendetwas anderes.

Durch die propagandistische Ausrufung eines »Kampfes gegen X« lassen sich in »kapitalistischen Demokratien« gleichzeitig mehrere von den Zentren der Macht gewünschte Ziele erreichen: Zum einen wird der für Machtzwecke nutzbare Rohstoff »Angst« produziert, zudem lässt sich die Aufmerksamkeit sehr wirksam auf Ablenkziele richten, und schließlich lassen sich unter dem Vorwand eines Kampfes gegen X demokratische Strukturen abbauen und auf allen Ebenen der Exekutive und Legislative autoritäre Strukturen etablieren.

Anmerkungen:

(1) Lohnarbeit unter kapitalistischen Zwangsverhältnissen ist daher als eine Form der Sklaverei anzusehen, wie auch Noam Chomsky noch einmal feststellt: »Human rights are rooted in human nature, and we violate fundamental human rights when people are forced to be slaves, wage slaves, servants of external power, subjected to systems of authority and domination, manipulated and controlled ›for their own good‹.« (Chomsky, 2008, S. 253)

(2)  Jaspers, Karl (1966). Wohin treibt die Bundesrepublik? Der Spiegel, 18. April 1966. https://www.spiegel.de/spiegel/ print/d-46266482.html

(3)  Illich (1983, S. 26)

(4)  Maus (1986, S. 278)

(5)  Maus (2018, 97)

(6)  Maus (2011, S. 19)

(7)  Maus (2011, S. 37)

(8)  Wolfgang Schäuble, Spiegel-Interview vom 7. Juli 2007

(9)  Die britische Sozialwissenschaftlerin Susan Strange, die das Gebiet der Internationalen Politischen Ökonomie begründete und an der London School of Economics lehrte, zeigte in ihren Arbeiten (z. B. 1996) auf, dass das Wuchern der Finanzkriminalität im Neoliberalismus keineswegs eine zufällige Entwicklung ist, sondern Folge bewusster politischer Entscheidungen, die Kapitalbesitzern »wahrhaft feudale Privilegien« bescheren.

(10) siehe auch Maus (2018, S. 76ff.)

(11) Frankenberg (2010, insbes. S. 202, 214ff.)

(12) Günther Jakobs (2004, S.93). Bürgerstrafrecht und Feindstrafrecht, Höchstrichterliche Rechtsprechung zum Strafrecht HRRS, 5, 88-95.

(13) »Tolle divitem et pauperem non invenies. Nemo plus, quam necessarium est, possideat, et, quantum necessarium est, omnes habebunt. Pauci enim divites pauperum sunt causa multorum.« Traktat De Divitiis. Eine sehr erhellende historische Einbettung und Interpretation gibt Brown (2018).

(14) Die athenische Demokratie und die Demokratiekonzeption der amerikanischen Gründerväter waren durch ein Zensuswahlrecht gekennzeichnet, bei dem das Wahlrecht, das Stimmgewicht und die Bekleidung politischer Ämter an den Besitz von Vermögen gebunden ist. Noch im 19. Jahrhundert war in repräsentativen Demokratien die Bevorzugung der besitzenden Bürger noch ganz selbstverständlich. Die meritokratische Ideologie ist also eng verflochten mit der Konzeption der repräsentativen Demokratie und findet in der besonders von Walter Lippmann und Joseph Schumpeter formulierten Konzeption einer Elitendemokratie ihren ungeschminkten Ausdruck. Als anti-egalitäre Ideologie sind meritokratische Herr- schaftsformen mit einer Demokratie nicht verträglich.

(15) »Das aber ist es eben, was dem präkapitalistischen Menschen so unfasslich und rätselhaft, so schmutzig und verächtlich erscheint. Dass jemand zum Zweck seiner Lebensarbeit ausschließlich den Gedanken machen könne, dereinst mit hohem materiellen Gewicht an Geld und Gut belastet ins Grab zu sinken, scheint ihm nur als Produkt perverser Triebe: der ›auri sacra fames‹ [des ›fluchwürdigen Hungers nach Gold‹, Vergil] erklärlich.« (Max Weber, 1904, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus)

(16) Pierre Bourdieu spricht von Soziodizee. »Diese Wort habe ich nach dem Vorbild des Leibnizschen Begriffs der Theodizee, der Rechtfertigung Gottes, gebildet; Soziodizee ist mithin die Rechtfertigung der Gesellschaft. Dieser Begriff bezeichnet all diejenigen Strategien, deren Funktion es ist, die Dinge so, wie sie sind, zu rechtfertigen. Man fasst das vage unter den Begriff der Ideologie, der jedoch dermaßen ungenau und nebulös ist, dass ich ihn lieber abschaffen und durch Soziodizee ersetzen möchte.« (Bourdieu, 2012, S. 420) »Max Weber hat gesagt, dass es die Herrschenden immer nach einer ›Theodizee ihrer Privilegien‹ verlange, oder besser nach einer Soziodizee, einer gedanklichen Rechtfertigung ihrer gesellschaftlichen Sonderrechte. Kompetenz bildet heute das Herzstück dieser Soziodizee, die nicht nur, und ganz naheliegend, von den Herrschenden anerkannt wird, sondern auch von allen anderen. […] Diese Philosophie ist unterschwellig in das gesamte Schulsystem eingeschrieben. Sie ist sehr mächtig, zutiefst verinnerlicht.« (Bourdieu, 2004a, S. 63)

(17) Neumann (1944/78, S. 447)

(18) »The ordinary progress of a society which increases in wealth, is at all times tending to augment the incomes of landlords; to give them both a greater amount and a greater proportion of the wealth of the community, independently of any trouble or outlay incurred by themselves. They grow richer, as it were in their sleep, without working, risking, or economizing. What claim have they, on the general principle of social justice, to this accession of riches? In what would they have been wronged if society had, from the beginning, reserved the right of taxing the spontaneous increase of rent, to the highest amount required by financial exigencies?« John Stuart Mill (1848, Book V, Ch.II) Principles of Political Economy with some of their Applications to Social Philosophy

(19) »So great are the psychological resistances to war in modern nations that every war must appear to be a war of defence against a menacing, murderous aggressor. There must be no ambiguity about whom the public is to hate.« (Lasswell, 1927, S. 47)

(20) siehe z. B. https://www.moonofalabama.org/ 2018/12/new-integrity-intitiative-papers-include-proposal-for-a-large-disinformation-campaign.html und https://www.nachdenkseiten.de/ ?p=48281.

(21)  Maus (2018, S. 85)

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11 Gedanken zu „Rainer Mausfeld: Angst und Macht

  1. Ruediger

    Eigentlich sind es Erkenntnisse, die schon Marx, Engels, Lenin, Stalin in ihren Werken veröffentlichten. Aktualisiert auf heutige Verhältnisse durch Mausfeld.

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      1. Ruediger

        Dann kannst du das auch nicht beurteilen. Die Propaganda von Wikipedia, der Schul“bildung“, MSM und deren Angsterzeugung zeigen auch bei dir Wirkung. Genau das kritisiert Mausfeld.

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      2. Ruediger

        Wenn meine Ansichten zu Politikern denen von Wikipedia entsprechen würden, würden bei mir die Alarmglocken läuten. Das Mindeste wäre, daß ich recherchieren würde und nicht den Müll von Wikipedia blind nachplappere.
        Ich empfehle dir für den Anfang die beiden Autoren Ludo Martens und Grover Furr zum Thema Stalin bzw. Chruschtschows Lügen.

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  2. marie

    mausfeld hat eine gute theoretische analyse in seinem buch geliefert, die jedoch wohl nur relativ wenig menschen studieren und dann auch daraus praktische veränderungen für ihr verhalten ableiten werden (können).

    es wurde vor allen in dem buch bestätigt, dass macht (geld) und angst in bestimmten strukturen (herrschaftstechniken, – formen, -institutionen, -systemen) den gegenteiligen gedanken von demokratie und menschlichkeit (menschenliebe+würde) in die praxis tragen (möge auch an jedem türschild und verkündeter philosophie das gegenteilige >>> das rein positive/hoffnungsvolle zu lesen und hören sein). und ja, diese irreführung zeigt sich jedem.

    und trotzdem gibt es – gerade z.b. im handwerk – menschen, die durch gute arbeit erfolgreich überzeugen (können). ja, gerade dieses KÖNNEN ist doch auch entscheidend in allen lebensbereichen und sogar relativ (!) systemunabhängig, wenn man dessen funktionsweise versteht und sich den politisch-ideologischen machtkämpfen verweigert >>> dies ist dann wieder in allen lebensbereichen möglich, wenn man die fallstricke, auch als persönlich mögliche falle (in die man sich selbst verstrickt) klar im bewußtsein hat.

    eigentlich müßte sich aus dem vorhandenen bewußtsein eine gemeinsamkeit mit gleichgesinnten finden lassen und der „wettlauf gegen den hasen“ gewinnen lassen… sonst ist man – wie schwejk – als sich (nur) selbstvertrauender einzelkämpfer unterwegs.

    die gelbwesten in frankreich haben den kampf gegen macht und angst aufgenommen und jeder kann in der vielfalt sehen, was passiert – auch wenn die deutschen medien nichts darüber umfassend berichten, ist eine klare meinungsbildung sehr gut möglich. (wiederum theoretisch wären viele „igel“ = gelbwesten oder unterstützer von „aufstehen“ auch in d möglich … doch die praxis sieht anders aus – da hilft auch ein buch von mausfeld leider nichts. die bürger aus dem angeblich so braunen sachsen in osteritz haben ganz praktisch das gegenteil bewiesen und einfach gehandelt… in einer ganz konkreten situation

    sie haben eine FORM des widerstandes gewählt, die jedem möglich und alltagstauglich ist.

    wer jedoch wasser predigt und selbst wein trinkt … oder wer frieden verkündet und selbst krieg treibt, wer die freiheit hoch hält und sie gleichzeitig mit füßen tritt (umgang mit assange) >>> alle, bei denen die PRAXIS nicht das kriterium für die „wahrheit“ ist, die sollten sehr gut überlegen, warum 1. lügen so gut funktionieren und die MÄCHTIGE deutung, dass manning und assange verräter und kriminelle sind „politisch-korrekt“ funktioniert (bis auf ganz vereinzelten widerspruch) und 2. warum sie (angeblich?) selbst solche skrupel haben zu „lügen“

    brecht nannte sie die „wahrheitssucher mit dem kühnen wesen, die ihre haut zum markte tragen“ >>> ein heldenepos … eine legende, die in die niederlage führt, weil man die kräfteverhältnisse falsch einschätzt? was ist der sinn von POKER? steckt darin nicht auch eine ganz spezielle kreativität und spiellust? sind wir jetzt wirklich alle nur noch moralisten … und wollen wir uns als „heilige – unschuldige opfer“ sehen?

    das „lügen“ gehört zum überlebenskampf in der natur, weil es die absolute wahrheit und die moral dort gar nicht gibt!

    um so wichtiger ist es, die lügen, die zu einer schleimspur in eine falle locken zu ERKENNEN und ihr auszuweichen und NICHT!!! LÜGEN an sich verbieten zu wollen … das ist etwas, was gar nicht möglich ist – sondern wie die zum verwechsel ähnlichen igel ins spiel zu bringen … also eine FORM von praxis, die erfolgreich ist und KEINE FALLE!!!! für einen selbst und gleichgesinnte… letztendlich geht es ums (über)LEBEN (oder tod) … und wer für das LEBEN ist, sollte unsere unterstützung haben … wer krieg und gewalt als angriff auf andere völlig zurecht verachtet, sollte gewappnet sein, wenn es ihn persönlich betrifft und sein leben verteidigen …

    wer hat nicht aus gutem grund gelogen, um NICHT in den „krieg“ ziehen zu müssen, den er gar nicht will ? und ja, es herrscht … zumindes kalter krieg, ökonomischer krieg, religionskrieg … keine gute zeit für wahrheit und vertrauen … ich gestehe: ich habe kein problem mit lügen für den frieden >>> die totale umkehr vom lügen für den krieg

    viel spaß beim moralfreien nachdenken über die natur des menschen, über die es, wie schon mausfeld auf seine art schrieb unendlich viel mythen und ideologien gibt die tief in uns stecken und erkannt und überwunden werden wollen … für das leben selbst

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    1. Paul Schreyer Autor

      Zitat: „mausfeld hat eine gute theoretische analyse in seinem buch geliefert, die jedoch wohl nur relativ wenig menschen studieren“ (…) „doch die praxis sieht anders aus – da hilft auch ein buch von mausfeld leider nichts“

      Das sehe ich anders. Mausfelds letztes Werk war über viele Wochen hinweg ein Spiegel-Bestseller, seine Videos haben mehr als 1 Million Menschen gesehen. Seine intellektuelle Unterfütterung des allgemeinen Unbehagens halte ich für essentiell und rate davon ab, sie kleinzureden.

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      1. marie

        mir liegt nichts ferner, als mausfeld kleinzureden. sein „schweigen der lämmer“ hat wirklich eine enorme strahlkraft – abgesehen davon finde ich beiträge mit professionell-psychologischen hintergrund DRINGEND notwendig – haben sie doch aus meiner sicht sehr wenig einfluß in die aufkläreische „tradition“ der gesellschaft (was man von ökonomie u.a. nicht sagen kann).

        trotzdem bin ich der meinung, wenn man wirklich angst überwinden und machtmißbrauch verhindern will, braucht es mehr als darüber ein sachbuch lesen – die diskussion DARÜBER war meine intention.

        sowie austausch und diskussionen ÜBER die schriften von marx oder lenin bzw. der versuch der praktischen umsetzung DAS entschiedende kriterium sind … und ja, darüber bin ich bei aller theorie von der praxis doch etwas enttäuscht (die wesentlich weniger bekannten neoliberalen schriften zeigen sich jedoch meist erst NACH dem erschrecken in der praxis) …

        doch das scheint nicht von interesse … hmmm … zumindest war es wohl nicht verständlich, wie mir ihre antwort zeigt.

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      2. Ruediger

        Mausfelds Buch klärt erst mal auf, wie wir belogen und kleingehalten werden. Nachdenken, was die Konsequenzen sein müssen, muß der Einzelne für sich tun. Man kann nur hoffen, daß immer mehr Menschen den Weg zum Marxismus-Leninismus finden. Wichtig ist Lenins Kapitel „Staat und Revolution“. Sechs Gründe für den Erfolg der Oktoberrevolution nennt hier Lenin: https://sascha313.wordpress.com/2019/04/05/emil-collet-das-wesen-des-marxismus-leninismus/
        Die Invasion von 14 imperialistischen Länder und ihren terroristischen Söldnern von 1918-1923 kam zu den Schwierigkeiten noch hinzu. Doch obwohl die Invasoren über 90% Russlands besetzten, so haben sie am Ende doch verloren, weil das Volk geschlossen hinter den Bolschewiki stand und sich zu Millionen zur Roten Armee meldete.
        Bis das dt. Volk soweit ist, kann es noch lange dauern, doch eine weltweite Wirtschaftskrise könnte das andererseits auch schnell ändern. Das Wichtigste ist, die Produktionsmittel volkseigen zu machen, denn wer diese in einem Staat hat, der herrscht wirklich in diesem Staat.

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  3. marie

    @ ruediger

    „Nachdenken, was die Konsequenzen sein müssen, muß der Einzelne für sich tun.“

    ja! aber das gute ist ja, dass „denken“ und auch „lernen“ offene und freie systeme sind, denen man sich hingeben kann.
    ich verlinke hier mal ein längeres und umfassendes interview mit putin – ER gehört ja zu den wirklich mächtigen der welt und hat mit anderen ebenfalls mächtigen der welt reichlich kontakte und erfahrungen. über „angst“ kann ich nichts entdecken – was jedoch nicht heißt, dass er nicht weiß, was dies ist – aber wohl noch besser weiß, wie man ANGSTMACHERN zu begegnen hat.

    https://www.seniora.org/politik-wirtschaft/politik/wladimir-putins-interview-mit-der-financial-times
    abgesehen davon, dass ich nicht verstehe, wie man sich der angst ausliefern kann bzw. dies als „konsequenz“ der machtverhältnisse als dauerzustand akzeptiert – so ist man auch nicht allein und kann als „einzelner“ hilfreiche strategien und partner finden – natürlich keine verräter der idee der angstfreiheit bzw. des mißbrauchs von macht – es geht um selbstermächtigung als minimalkonsequenz – so verstehe ich auch mausfeld – jedoch ermöglichen mir persönlich ganz konkrete taten in ganz konkreten situationen ein besseres verständnis bzw. eine abstrakte möglichkeit zum nachvollziehen, weil ich daran auch emotional beteiligt bin, wenn es gute und kluge beschreibungen der realität sind. sein eigenes verhalten muß dann natürlich jeder selbst verantworten – doch er ist nicht allein auf der ganzen vielfältigen welt und sollte sich vor verallgemeinerung der sicht hüten – ebenso vor einer reinen theorie >>> nicht die welt interpretieren, sondern verändern – auch sich selbst den realitäten stellen und darin seine interessen – angstfrei – koordinieren.

    sorry, wenn mir mausfeld nix neues sagt – er hat nur die mir bekannte theorie hinterleuchtet – sie bestätigt … hmmm … doch für mich kann es nicht damit gegessen sein … „was tun?“ … nach dem erkennen? sind wir nicht deshalb hier?????

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