Michael Hudson: „Das Projekt der Aufklärung wird begraben“

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9. September 2019   —   Michael Hudsons Buch „Der Sektor – Warum die globale Finanzwirtschaft uns zerstört“ steht schon seit mehreren Jahren auf meiner Leseliste. Als im August der WDR bei mir anfragte, ob ich im Rahmen einer Büchersendung über die kürzlich erschienene Taschenbuchausgabe des 600-Seiten-Opus sprechen wolle, sagte ich daher gern zu und holte die Lektüre umgehend nach. Das hat sich gelohnt. Das Werk des mittlerweile 80 Jahre alten amerikanischen Ökonomen, der selbst eine Art Legende ist (Patensohn Trotzkis, Ex-Wall-Street-Banker, Kapitalismuskritiker), besticht durch klare Logik und verständliche Schilderung.

Hudsons Botschaft ist einfach: Der Finanzsektor, bestehend aus Banken, Versicherungen und Immobilienunternehmen, saugt die Gesellschaft aus wie ein Parasit. Er entzieht dem Gemeinwesen, also Staat, Bürgern und produzierenden Firmen, durch seine Vermögenserträge (Zinsen, Dividenden, Mieten, Pachten) ständig riesige Summen, was alle betroffenen Ökonomien unproduktiver macht und letztlich unvermeidlich in den Ruin treibt. Griechenland war nur der Anfang.

Die reale Wirtschaft kann schlicht und einfach nicht dauerhaft so schnell wachsen, wie die stetig und mit unerbittlicher mathematischer Logik steigenden Zinsansprüche der Gläubiger. Am Ende des Spiels gehört dem Finanzsektor alles – und der Rest der Gesellschaft, inklusive der Realwirtschaft (so sie dann noch lebensfähig ist) befindet sich in der Zwangsjacke einer Schuldknechtschaft. Der Feudalismus kehrt zurück, global und anonym, ohne dass man die Namen der neuen Herren noch kennen würde.

Davor warnt Hudson und erklärt, dass nur ein weiträumiger Erlass der Schulden diese fatale Entwicklung durchbrechen kann. Nebenbei erwähnt er, dass ein solcher Schuldenerlass überhaupt erst die Grundlage des westdeutschen „Wirtschaftswunders“ war:

„Die von den Alliierten durchgeführte Währungsreform von 1948 strich alle inländischen Schulden, außer für Mindestgeschäftsguthaben von Banken und für Lohnschulden von Arbeitgebern. Das machte die deutsche Wirtschaft schuldenfrei. Das Ergebnis war das deutsche Wirtschaftswunder.“

Hudson ergänzt: „Es war leicht, Schulden in einer Situation zu streichen, wo der größte Teil dieser Verbindlichkeiten ehemaligen Nazis oder deren Unternehmen geschuldet wurde.“ Damit berührt er einen entscheidenden Punkt: Denn in der heutigen Welt gibt es im Westen eben keine politische Instanz, die über die Macht verfügt, Schulden bei den großen systemrelevanten Banken streichen zu lassen. Der Finanzsektor hat die politische Macht infiltriert. Keine Regierung kann ihn bremsen, geschweige denn vom Thron stoßen.

Um langfristig eine Veränderung herbeizuführen, bedarf es eines wiedergewonnenen kritischen Bewusstseins und einer breiten Diskussion der eigentlich offenkundigen, aber dennoch fast nie diskutierten Zusammenhänge. Doch gerade der Bildungsstand zum Thema Wirtschaft und Finanzen bleibt weiterhin erschreckend niedrig, auch was die eigene Geschichte angeht. Denn was etwa die EU unter Führung Deutschlands in den vergangenen Jahren Griechenland angetan hat, ist nichts anderes als eine Spiegelung dessen, wozu der britisch-amerikanisch dominierte Finanzsektor in den 1920er Jahren Deutschland gezwungen hatte. Doch diese Erinnerung ist offenbar gelöscht. Hudson schreibt dazu:

„Die Tatsache, dass die Ideologie der Austerität vor allem in Deutschland auf so fruchtbaren Boden fiel, zeigt, dass hier kaum etwas von den finanzpolitischen Kontroversen der 1920er Jahre in Erinnerung geblieben ist. Deutsche Banken und Banken anderer Länder behandeln Volkswirtschaften der Eurozone genau so, wie die Gläubiger damals Deutschland behandelten.“

In meinem Buch „Wer regiert das Geld?“ schildere ich diesen Zusammenhang ebenfalls:

„Ähnlich wie heute die ‚Troika‘ in Griechenland, so überwachte in den 1920er Jahren ein sogenannter ‚Generalagent für Reparationszahlungen‘ die deutsche Regierung. Dieses Amt übertrugen die Wall-Street-Banker dem 32-jährigen amerikanischen Anwalt Parker Gilbert, der fortan in Berlin residierte und dort die Regierung immer wieder zum ‚Sparen‘ und Kürzen öffentlicher Ausgaben ermahnte. Um die Zahlungen zu sichern, wurde auch die Deutsche Reichsbahn privatisiert und unter alliierte Kontrolle gestellt.“

Solche Privatisierungen, eigentlich Raubzüge im großen Stil, hat auch Griechenland in den vergangenen Jahren zu erdulden gehabt. Sie drohen aber zukünftig überall. So wie der Finanzsektor beim Platzen einer Spekulationsblase Privathäuser zwangsversteigern lässt und Unternehmen zerschlägt und ausplündert um sich schadlos zu halten, so werden auch ganze Volkswirtschaften Stück für Stück „filetiert“.

Am Ende steht der Tod von Gesellschaften. Hudsons Buch heißt im amerikanischen Original „Killing the Host“, also „Den Wirt töten“. Dass dieser (Selbst-)Mord auf Raten weitgehend stillschweigend hingenommen wird, stimmt bedenklich. Es deutet auf eine kollektive Besinnungslosigkeit hin. Hudson betont, dass es vor hundert Jahren ein weit größeres Bewusstsein dieser Zusammenhänge gegeben habe. Sozialdemokratische und sozialistische Parteien und Bewegungen überall auf der Welt nannten die Dinge damals beim Namen. Doch das ist längst Vergangenheit, erklärt Hudson:

„Es hat eine kulturelle Gegenrevolution stattgefunden. Und das ist nur deshalb so wenigen Leuten aufgefallen, weil der Finanzsektor die Geschichte umgeschrieben und die öffentliche Meinung darüber, was unter ökonomischen Prozessen und einer fairen Gesellschaft zu verstehen ist, neu definiert hat.“

Tatsächlich sind heute etwa die volkswirtschaftlichen Statistiken in den USA und Europa so konstruiert, dass die vom Finanzsektor leistungslos abgesaugten Milliarden für Zinsen, Dividenden etc. nicht separat erfasst werden. Verrückter noch: wächst das parasitäre Treiben des Sektors, das die Wirtschaft hemmt und zunehmend ruiniert, dann werden diese Gewinne in der Statistik auch noch positiv als Teil eines wachsenden Bruttoinlandsproduktes erfasst – ganz so, als hätten Banken mit dem Aussaugen von Staaten und Unternehmen der Gemeinschaft einen Dienst erwiesen.

Hudson erklärt, man verwechsele dadurch „das gesunde Wachstum mit einem Tumor, der im Staatswesen wuchert“. Historischer Hintergrund dafür sei der „ideologische Sieg, den die Grundbesitzer und Finanziers im späten 19. Jahrhundert über die klassischen Ökonomen“ errungen hätten, die damals leistungslose Einkommen hoch besteuern wollten. Um sich dem öffentlichen Druck zu solchen Steuern zu entziehen, habe man die Struktur der Statistiken im Westen so frisiert, dass sie „letztlich kein zutreffendes Modell“ dafür seien, „wie die Wirtschaft funktioniert und wie es in der heutigen Welt zur Anhäufung von Vermögen kommt“. Das Absaugen der Milliarden sei damit „unsichtbar“ gemacht worden, wodurch man den politischen Druck, hohe Steuern auf Vermögenserträge einzuführen, habe auflösen können. Mit anderen Worten: Der Bevölkerung wird mit den Statistiken eine fiktive Wirtschaft vorgespielt, um sie politisch betäuben und „unschädlich“ halten zu können. Hudson schließt:

„Die (…) Strategie besteht darin, sich in den Mantel des Universalismus zu hüllen und gleichzeitig jede alternative ökonomische Theorie oder Ideologie zu tabuisieren. Das Ende der Geschichte wird ein neues dunkles Zeitalter der Einhegungen und Privatisierungen sein. Das Projekt der Aufklärung, nämlich Volkswirtschaften von den Privilegien der Rentiers zu befreien (…), wird dabei begraben.

Selbstverständlich gibt es eine Alternative. Ausgangspunkt muss die Erkenntnis sein, dass seit vielen Jahrhunderten ein Wirtschaftskrieg stattfindet. In diesem Krieg kämpfen die Finanzmagnaten und andere Rentiers umso entschlossener und oftmals im Verborgenen, weil sie sich bewusst sind, dass es keine moralische Rechtfertigung für Einkommen und Vermögen gibt, dass mit extraktiven Mitteln erlangt, statt durch produktive Arbeit verdient wurde. (…) Um dieses rentierfreundliche ‚Ende der Geschichte‘ zu vermeiden, müssen die Menschen den langen Kampf zur Befreiung der Volkswirtschaften wieder aufnehmen. Die Alternative dazu wäre Neofeudalismus.“

Michael Hudson, „Der Sektor. Warum die globale Finanzwirtschaft uns zerstört“, Klett Cotta, 2019, 670 Seiten, 17 Euro

Ausgestrahlt am 7. September 2019 in der Sendung „Gutenbergs Welt“ auf WDR 3.

Foto Michael Hudson: Ian Buswell / CC BY-SA 4.0

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7 Gedanken zu „Michael Hudson: „Das Projekt der Aufklärung wird begraben“

  1. senfto

    Danke, Paul Schreyer, für diese Einordnung und Vorstellung des Buches!

    Kurz angereichert um eigene Gedanken:

    Das, was beschrieben wird, geht aber auch zurück auf die ungedeckten staatlichen Papier-Zwangszahlungsmittel, welche durch die angesprochenen Finanzeliten beliebig vermehrt werden können. Beginnend 1913 (Jekyll Island – FED Act) bis hin zu EURO statt stabile DM (Kuhhandel zur Wiedervereinigung – siehe die Tragödie des Euro und Beuteland).
    > Den Titel Beuteland könnte man aber in der Tat erweitern auf alle westlichen Länder.

    Das Video mit der größten Erkenntnisdichte für Otto-Normal-Bürger hat hier sicherlich „Geldschöpfung in 1 Minute erklärt“, zeigt es doch viele der obigen Punkte und das UNWISSEN der breiten (mainstreamhörigen) Bevölkerung:

    Was mit dem Tumor beschrieben wird, kann – auch durch die Werke „Die Angst der Eliten“ umformuliert/ erweitert werden zu:

    Ich finde es gut, dass nicht Kapitalismus oder Neoliberalismus per se als Sündenbock dargestellt werden, denn das Problem ist – wie ja beschrieben – ein anderes: Egal ob Kapitalismus oder Sozialismus oder eine Mischform (wie aktuell): Das Hauptproblem, bzw. der Ort der Suche nach einer Lösung ist der Missbrauch der (Schein)Demokratie und damit auch des Gewalt- und Zwangmonopols des Staates durch eine kleine Gruppe von einflussreichen Personen / Finanzeliten/ Tiefer Staat, die durch Nutznießer (z.B. indirekt auch Beamte, etc. gestützt werden). Der Neoliberalismus ist nur der mainstreammediale „Sündenbock“ > Wir haben de facto eine Herrschaft der 1% Finanzeliten über Währungen.

    Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, und es ist mir gleichgültig, wer die Gesetze macht!
    Amschel Meyer Rothschild (1744 – 1812), deutscher Adliger und Bankier

    Paul Craig Roberts
    Die EU und der Euro waren Täuschung und Gaunerei. Länder verloren ihre Souveränität. So viel zu westlicher „Selbstbestimmung,“ „Freiheit,“ „Demokratie,“ alles Schlagworte ohne Inhalt. Im gesamten Westen gibt es nichts außer der Ausplünderung der Menschen durch das Eine Prozent, das die Regierungen kontrolliert.

    Nur durch Beendigung der Unwissenheit und „Mainstreamhörigkeit“ (die als Folge die Unwissenheit/ Manipulation zur Folge hat) kann sich die demokratische Basis für die Reduzierung des oben erwähnten Missbrauchs der Demokratie Stück für Stück etablieren und auch erst die Basis für eine funktionierende DIREKTE Demokratie bilden, da direkte Demokratie bei blinder „Mainstreamhörigkeit“ (bewusst vereinfachender Begriff) dem Demokratie-Missbrauch keinen Einhalt gebietet, sondern diesen verstärkt, bzw. stützt.

    mit freundlichen Grüßen
    Hubert Senf

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  2. marie

    spannende zusammenfassung mit klugen prognosen – danke dafür.

    ich erlaube mir eine ergänzung zum thema von Folker Hellmeyer und Alexander Rahr: „Machtachsenverschiebung – Das Zeitalter der USA ist vorbei“

    spannend – besonders für deutschland und die eu: der fast gesamte rest der welt rezipiert die situation völlig anders – differenzierter – tiefer – klüger

    >>> sehr sehr armes deutschland – an geistiger und charakterlicher peinlichkeit deiner sogenannten repräsentanten bist du echt weltspitze … warum dies wohl viele als aufforderung zum widerspruch geradezu herausfordern muß? es gab mal eine aufklärung der dichter und denker in unseren kulturellen genen … die schreien immer lauter danach – im verlauf der geschichte werden AUCH SIE!!!! lebendig = die plumpe dunkelheit braucht ihr licht zum leben

    viel licht … von vielen

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  3. fidelpoludo

    Hervorragende Arbeit! Danke lieber Paul Schreyer!
    Besonders der Abschnitt über „leistungsloses und unproduktives Einkommen“ bzw. Vermögenszuwachs und die intelligente, aber durchschaubare Täuschung, die darin besteht, die evidente Steigerung des Bruttoinlandsproduktes (GDP) als Leistung für die Gemeinschaft hinzustellen, obwohl dahinter sich das brutale Gegenteil – nämlich die maximal mögliche Schädigung, gar systematische Zerstörung der Gemeinschaft – zeigt, ist überzeugend zusammengefasst. Ich würde diese Argumentationsweise auch „GDP-Fetischismus“ nennen wollen, denn bei ihrer seltsamen Einschätzung von „ökonomischen Fortschritten“ vergleichen sie immer wieder nur die Vorher/Nachhergrößen des GDP (Gross Domestic Product), um einen Erfolg oder einen Aufstieg zu verkünden.

    Die deutsche Übersetzung des Titels mit „Der Sektor“ für „Killing the Host“ halte ich allerdings für sehr unglücklich gewählt. Besser wäre wohl entweder „Der Finanzsektor“ oder „Die global-parasitären Tentakel des Finanzkapitals“ gewesen.

    „Die Geschichte hat sich in eine Komödie oder zumindest in eine Ironie verwandelt, während sich ihr dialektischer Weg entfaltet.“

    Dieser Satz von Michael Hudson findet sich in einem lesenswerten Beitrag von ihm auf „The Unz Review“ mit dem Titel:
    „Trump’s Brilliant Strategy to Dismember U.S. Dollar Hegemony“

    Der Satz ist eine allgemeine Umschreibung der Tatsache, dass die Formen des Neuen Kalten Krieges, den die USA jetzt nicht mehr nur gegen Russland, sondern gegen alle Länder führt, die sich ihrer Agenda und ihren Plänen gegenüber widerspenstig verhalten, nicht mehr direkt militärisch, sondern eher per Sanktionen und erpresserischen Anmaßungen oder per Cyber War geführt wird, mit dem Resultat, dass – ob beabsichtigt von Trump oder nicht – gerade die von Trump ernannten Neocons (Bolton, Pompeo etc.) das schaffen, was bis vor kurzem undenkbar schien: China und Russland zusammen zu treiben – der große Albtraum von Henry Kissinger und Zbigniew Brzezinski. Und gleichzeitig auch Deutschland und andere europäische Länder in die eurasische Umlaufbahn zu zwingen, vor einem Jahrhundert noch der „Heartland“-Alptraum von Halford Mackinder. Nach der Flut von Vorwänden und Täuschungen über die Kriege im Irak, in Libyen und Syrien sowie der Nachgiebigkeit gegenüber dem gesetzlosen Regime in Saudi-Arabien erkennen die außenpolitischen Führer mehr und mehr an, was weltweite Meinungsumfragen bereits ergaben, bevor die Irak/Iran-Contra-Boys ihre Aufmerksamkeit auf die größten Ölreserven der Welt in Venezuela gelenkt hatten: Die Vereinigten Staaten sind jetzt die größte Bedrohung für den Frieden auf dem Planeten.

    Aber diese Zuspitzung der geopolitischen Lage – und jetzt wird es interessant – schreibt er weniger Trump zu als den ihn sonst mit allen Mitteln bekämpfenden Demokraten:

    „Anstatt die Demokratie zu begrüßen, wenn das Ausland keinen von den US-Diplomaten anerkannten Führer wählt (sei es Allende oder Maduro), haben sie die Maske fallen lassen und sich als die führenden Imperialisten des Neuen Kalten Krieges erwiesen. Es ist jetzt ganz eindeutig. Sie würden Venezuela zum neuen Chile der Pinochet-Ära machen.“

    Und Michael Hudson beendet seinen Artikel mit der Frage, die ihn schon lange umtreibt:

    Wo bleibt in all dem die Linke? (…) Was soll man davon halten, dass nur rechtsgerichtete Parteien, Alternative for Deutschland (AFD) oder Marine le Pens französische Nationalisten und diejenigen anderer Länder gegen die Militarisierung der NATO sind und versuchen, die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen mit dem Rest Eurasiens wiederzubeleben?
    Das Ende unseres Währungsimperialismus, über das ich 1972 zum ersten Mal im Superimperialismus geschrieben habe, verblüfft selbst einen informierten Beobachter wie mich. Es bedurfte eines kolossalen Maßes an Arroganz, Kurzsichtigkeit und Gesetzlosigkeit, um seinen Niedergang zu beschleunigen – etwas, das nur verrückte Neocons wie John Bolton, Eliot Abrams und Mike Pompeo für Donald Trump liefern konnten.“

    Wobei die Frage offen bleibt – viele Patrioten und Q-Anon-Anhänger nicht nur in den USA würden mit einer dezidierten Antwort kaum hinter dem Berg halten -, ob Trump diese „verrückten Neocons“ benutzt oder eher sie ihn. Innerhalb der „patriotischen rechten Bewegung“ äußern sie sich wiederum gespalten abweichend: Die einen befürchten, daß ein Dritter beide benutzt, und die anderen, dass Trump (im Verein mit einer Militärfraktion) sowohl die Neocons wie den Dritten in einem lange sich hinziehenden „Spiel“ hinters Licht führt.

    Michael Hudson scheint eher einer Zwischenposition zuzuneigen, die sich mit der letzten – wenn auch verdeckt – verbindet, wenn er ganz am Anfang eine Front zwischen Trump und dem „Deep State“ aufmacht, wo er nämlich feststellt: „Der Deep State reagiert mit einem Schock darauf, wie dieser rechtsgerichtete Immobilienhändler andere Länder dazu gebracht hat, sich durch den Abbau der auf die USA ausgerichteten Weltordnung zu verteidigen.“

    Vieles hängt davon ab, wen Michael Hudson – neben den Neocons, Demokraten und Republikanern und Wallstreet – noch zum „Deep State“ zählt.

    Der Link zum kompletten Text: http://www.unz.com/mhudson/trumps-brilliant-strategy-to-dismember-u-s-dollar-hegemony/

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  4. Reiko

    Hallo Herr Schreyer,

    mich würde interessieren, wie der „Rückzug des Staates“ durch die „Schwarze 0“ in diesen Kontext passt. Baut Deutschland durch die Senkung der Schulden seine Abhängigkeiten bzw. Druck vom Sektor ab? Ist die „Schwarze 0“ doch positiv? Oder überwiegen die negativen Faktoren, die oft von eher linken Ökonomen angeführt werden?
    Was sind die Möglichkeiten der Politik, aktiv einzugreifen? Wäre das Parlament in der Lage, das Privileg der Geldschöpfung zu gewinnen? Die Italiener hatten ja die Idee der „Mini-Bots“, was ich als staatliche Parallelwährung verstanden habe. Es ist wahrscheinlich ein großer Unterschied, in welcher Währung man auch verschuldet ist.
    Wenn man die Ideen von gewissen Politikern https://www.nachdenkseiten.de/?p=54725#h06 sich ansieht, dann fällt es eher schwer, die Befreiung des Staates aus der Schuldknechschaft des Sektors als treibende Kraft für die Schwarze 0 anzusehen.

    Vielen Dank, Herr Schreyer für Ihre Arbeit, Ihre Texte und Bücher.
    Ihre unaufgeregte Art hilft mir sehr.

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    1. Paul Schreyer Autor

      Die „schwarze Null“ heißt ja nur, es werden keine neuen Schulden aufgenommen. Ein Abbau der bestehenden Schulden ist das noch nicht. Im Effekt führt die „schwarze Null“ zu einer Beschränkung der Handlungsfähigkeit des Staates und zu einer stärkeren Abhängigkeit vom Finanzsektor.

      Die Verfügungsmacht über die Geldschöpfung bleibt eines der wichtigsten Themen. Leider herrscht weiterhin großes Unwissen dazu, gerade auch im Parlament, siehe hier: https://www.heise.de/tp/features/Der-Bundestag-und-das-Geldsystem-3223186.html?seite=all

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  5. Reiko

    Die Unwissenheit ist wohl leider gewollt, da eine breite Debatte (oder mediale Kampagne) nicht in Sicht ist. Unabhängig von diesem Thema noch eine Nachfrage, wenn Sie erlauben: Verstehe ich es richtig, dass durch Aufnahme neuer Schulden (Handlungsspielraum) man die Gesamtschulden schneller abbauen könnte?

    Die Verschuldung der letzten Jahre sinkt etwas. Im Bezug auf den BIP deutlich stärker. https://www.bundesbank.de/de/presse/pressenotizen/deutsche-staatsschulden-783598 Wie man diese Zahlen deuten sollte, kann ich leider nicht einschätzen. Die Verschuldung zum BIP könnte Aufgrund des erwähnten „Tumors“ sehr irreführend sein.

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    1. Paul Schreyer Autor

      Entscheidend ist, bei WEM sich der Staat verschuldet, sowie in welcher Währung. Ob die Schulden bei der eigenen Zentralbank bestehen oder bei privaten, womöglich ausländischen Banken, ist ein himmelweiter Unterschied. Ebenso, ob man in einer Währung verschuldet ist, die man souverän selbst herausgibt (D-Mark) oder in einer Währung, über deren Emission zum großen Teil andere entscheiden. Die Macht liegt bei den Geldschöpfern.

      Das derzeitige Absinken der Gesamtverschuldung ist marginal im Verhältnis zur Gesamtsumme, und, wie Sie richtig sagen, ist der Bezug auf das BIP höchst fragwürdig, da das darin gemessene Wachstum wenig mit der realen Gesundheit der Wirtschaft zu tun hat – im Gegenteil.

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