Muster von Konformismus

Hart aber fair 2019-02-25

10. November 2019   —   Dem Modewort „Digitalisierung“ kann man kaum noch entkommen. Jeder, der in den Medien auf sich hält, spricht über die zunehmende Computersteuerung der Gesellschaft. Der Soziologe Armin Nassehi hat nun ein Buch zu diesem Thema vorgelegt. „Muster – Theorie der digitalen Gesellschaft“ lautet der Titel und verspricht eine tiefergehende Klärung des Phänomens.

Das Buch besitzt alle Anzeichen eines wichtigen und ernstzunehmenden Werkes: Es ist bei einem renommierten Verlag erschienen, in anspruchsvoller Sprache verfasst und wird von den großen Medien nahezu ausnahmslos in den höchsten Tönen gelobt. Das Werk sei „ein Augenöffner“, „so radikal wie originell“, „das Buch der Stunde“ und „eine kleine Sensation“, das den Vergleich mit den großen Gesellschaftsstudien von Adorno, Habermas, Luhmann und Bourdieu nicht scheuen müsse, so die Rezensenten begeistert. Der Autor Armin Nassehi ist eine akademische Autorität, Lehrstuhlinhaber für Soziologie an einer der angesehensten Universitäten Deutschlands, der LMU München, und berät außerdem aktuell die Parteispitze der Grünen. Kurzum: Dieses Buch scheint man kennen zu müssen.

Faszinierend, so zeigt die Lektüre, sind Buch und Autor in der Tat, allerdings nicht wegen ihrer Originalität, sondern, im Gegenteil, als Beispiel für den herrschenden Konformismus im Universitäts- und Medienbetrieb. Nassehi hat in seinem 300-Seiten Buch eigentlich wenig zu sagen – das aber sehr kompliziert. Er erzeugt eine glitzernde Hülle von Klugheit und Geist, deren Kern man leider vergeblich sucht. Das Buch besteht in weiten Teilen aus akademischem Geschwurbel. Eine Kostprobe:

„Die moderne Gesellschaft muss mit hoher Komplexität in der Weise umgehen, als sie durch ihre funktionale Differenzierung gleichzeitig in unterschiedlicher Weise auf denselben Sachverhalt zugreift und in reflexiver Einstellung der Tatsache ansichtig werden kann, dass sich der Gegenstand der Betrachtung der Perspektive verdankt.“

In dieser Art ist der größte Teil des Buches verfasst. Ein beliebtes Stilmittel des Autors sind Synonymhäufungen, die den Anschein von geistiger Vielschichtigkeit vermitteln, oft aber bloß Zirkelschlüsse sind. So schreibt er in Bezug auf digitale Daten, deren Vergleichbarkeit ergäbe sich dadurch, dass „Inkommensurables relationierbar“ sei. Auf Deutsch übersetzt: Es entsteht Vergleichbarkeit, wenn man Unvergleichbares vergleichbar macht – und zwar durch Zahlen. Der Erkenntnisgewinn solcher Aussagen ist niedrig. Es sind wohlklingende Plattitüden, die dem Leser, der all die Fremdworte kennt, vor allem das Gefühl geben, selbst klug zu sein.

Man kennt diesen Stil von Dissertations- und Habilitationsschriften, in denen ein Prüfling den Autoritäten gegenüber nachzuweisen versucht, dass er gelehrt genug für den angestrebten akademischen Titel ist. Mit dem französischen Soziologen Pierre Bourdieu könnte man vom „Prätentionshabitus“ gesellschaftlicher Aufsteiger sprechen, ihrer „unausgesetzten Bereitschaft zum Bluff“ und ihrem ständigen Versuch, „das Sein durch den Schein zu überholen“.

Der amerikanische Historiker Russell Jacoby hat schon vor 30 Jahren in seinem Klassiker „The Last Intellectuals“ beschrieben, wie der professionalisierte Universitätsbetrieb zu einem Absterben originellen und kritischen Denkens in den Geisteswissenschaften führe, da Karrieren nicht mehr vom Erfolg bei einem breiten Publikum abhingen, sondern von der Anerkennung durch Vorgesetzte und Kollegen – sowie eben der Bereitschaft zum Konformismus.

„Der Kapitalismus ist nicht das Problem“

Nassehis Buch fügt sich in diesen Trend ein. Es ist weit davon entfernt, eine Theorie zu sein, wie der Untertitel behauptet. Eher handelt es sich um eine weitschweifige Plauderei mit vielen Wiederholungen, Verweisen auf eigene Werke und Anekdoten aus dem eigenen Leben. Seine Thesen lassen sich so zusammenfassen: Die Digitalisierung sei nichts Neues, schon im 19. Jahrhundert habe es schließlich Datenerhebungen in Form amtlicher Statistiken gegeben, die auch der sozialen Steuerung dienten. Die heutige computerisierte Form des Sammelns und Verarbeitens von Daten sei einfach der Komplexität der Gesellschaft geschuldet, passe zu dieser und funktioniere auch gut, was die Digitalisierung rechtfertige. Die Gesellschaft habe sich in der Moderne drei Mal selbst entdeckt, einmal nach der Französischen Revolution, dann nach 1968 und nun durch die digitale Vermessung aller Lebensbereiche. Linke Utopien seien dabei immer wieder an „strukturellen Trägheiten der gesellschaftlichen Masse“ gescheitert, an einer „gesellschaftlichen Maschinerie im Hintergrund“, die „veränderungsresistent“ sei.

Der Autor zeigt allerdings kein weiteres Interesse an dieser „Maschinerie“. Er nimmt sie ohne tiefere Analyse zur Kenntnis. Sein Tenor: Alles ist gut, wie es ist, weil es ist wie es ist. Die Klassentheorie, wonach politische Macht vom privaten Eigentum abhängt, und Reiche somit die Geschicke lenkten – was auch für die Digitalisierung gelten würde –, hält er nach eigenen Worten für „ungeeignet, um ökonomische Ungleichheit zu erklären“. Womit er diese Ungleichheit dann erklären will, bleibt offen. In einem Nebensatz betont er, der Kapitalismus sei „nicht das Problem“, da sich nun mal „die Dinge rechnen müssen“:

„Das Problem ist also nicht der Kapitalismus – das Problem ist die Beteiligung der unterschiedlichen Wertschöpfungselemente an den Gesamterträgen und ihrer Distribution. (…) Ich vermag hier keine Lösungen anzubieten, sondern plädiere nur dafür, die Möglichkeiten einer Prozesssteuerung mit digitalen Mitteln mit dem Ziel langfristigerer und stabilerer Muster der Anordnung unterschiedlicher Stakeholder nicht zu unterschätzen.“

Mit anderen Worten: Die Technik ist nun mal da und auch nützlich, möge sie nun doch bitte, von wem auch immer, für mehr Gerechtigkeit genutzt werden. Es bleibt bei solch vagen, unverfänglichen Appellen.

Nassehi berät auch die grüne Führungsspitze um Robert Habeck und Katrin Göring-Eckardt. Er regt an, lagerübergreifende Bündnisse zu bauen. Die Einteilung in links und rechts habe sich überholt, die Idee einer linken Mehrheit sei „inhaltlich tot“, so Nassehi in einem Interview mit der TAZ. Man müsse nun „die Marktlogik so einsetzen, dass sie die Sache voranbringt“ und helfen, dass „mit den richtigen Sachen Gewinne“ gemacht würden. Der Gedanke, dass das herrschende Geldsystem seinem Wesen nach Natur und Gesellschaft zerstört, liegt ihm fern. Der „grüne Kapitalismus“ erscheint stattdessen als neue Heilsgeschichte, vermeintlich ideologiefrei.

Der Autor Bernd Stegemann nennt das „die Robert-Habeck-Erzählung“: „Eigentlich ist der Kapitalismus eine prima Sache, wenn jeder Einzelne sich moralisch verhält.“ Die Dominanz dieser Sichtweise verhindere jede gesellschaftliche Veränderung, so Stegemann. Nassehi ist offenbar ein Anhänger, wenn nicht sogar Mitautor dieser Robert-Habeck-Erzählung. Der rote Faden darin ist die Zustimmung zum gegebenen System, die Anpassung an vermeintlich Alternativloses.

Muster CoverÜber die Digitalisierung schreibt er: „Wenn sie nicht zu dieser Gesellschaft passen würde, wäre sie nie entstanden oder längst wieder verschwunden.“ Und zum Rechtsbruch einer flächendeckenden Onlineüberwachung der Bürger durch Geheimdienste meint er abwiegelnd: „Es wäre absurd, zu erwarten, dass nicht alles abgeschöpft wird, was technisch möglich ist“. Protest und Widerspruch sucht man vergeblich.

Ganz ähnlich scheint der Soziologe auf die Politik insgesamt zu blicken. Es ist eine Perspektive, in der Machtkämpfe vom Sieger immer auch zurecht gewonnen wurden und in der es am Ende gar keine legitimen unterschiedlichen Interessen mehr geben kann, sondern bloß noch „das Vernünftige“. Nassehi steht damit für den Offenbarungseid einer Soziologie, die Herrschaftskritik als überholt und unmodern ansieht – und die sprachlich nahezu unlesbar ist.

Armin Nassehi: „Muster. Theorie der digitalen Gesellschaft“, C.H.Beck, 352 Seiten, 26 Euro

Anmerkung: Diese Rezension wurde am 9. November 2019, leicht gekürzt, in der Radiosendung „Gutenbergs Welt“ auf WDR 3 ausgestrahlt.


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Bild: Armin Nassehi, Frank Plasberg und Katrin Göring-Eckardt am 25. Februar 2019 in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“; Foto: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

8 Gedanken zu „Muster von Konformismus

  1. marie

    danke! sie haben hier ein buch analysiert und dabei auch die gründe für seinen „erfolg“ benannt: welches … „dem Leser, der all die Fremdworte kennt, vor allem das Gefühl geben, selbst klug zu sein“

    genau diese gefühlsgaukelei, welche ihren (noch nicht absehbaren) höhepunkt ins unermeßliche steigern möchte und dabei intellektuelle peinlichkeiten schon über das erträgliche hinaus ERFOLGREICH** offenbart (z.b. gender, „humane kriege“ o.v.a.) hat, zeigt zumindest eine dem mittelalter vergleichbare soziologische unaufgeklärtheit, die beängstigend weit immer rückständiger wird … und paradoxerweise auf jede art von menschlichem denkvermögen (kant) freiwillig verzichten möchte, indem sie die (künstliche) „intelligenz“ von maschinen anbetet – ihr „vertrauen“ schenkt und selbst „arbeit zum geld-erwerb“ GEGEN die menschen(würde) übereignet. der mensch als soziales wesen wird schrittweise abgeschafft und NICHT von schwerer arbeit zu seiner kreativen entfaltung entlastet. dieser gesamte bereich MENSCH wird gar nicht mehr ernsthaft erwähnt … da die „intelligenten maschinen“ ja leichter (und ohne individuelle befindlichkeiten oder widersprüche) für ihre BESITZER ihr befohlenes programm absolvieren.

    „Der Gedanke, dass das herrschende Geldsystem seinem Wesen nach Natur und Gesellschaft zerstört, liegt ihm fern. Der „grüne Kapitalismus“ erscheint stattdessen als neue Heilsgeschichte, vermeintlich ideologiefrei.

    „unausgesetzten Bereitschaft zum Bluff“ und ihrem ständigen Versuch, „das Sein durch den Schein zu überholen“…

    doch WIE umdenken? scheint – oder „ist“ ein leben gegen diese kapitale übermacht real (un)möglich?

    lieber paul schreyer sie haben ihren blog „multipolar“ von einer finanziellen unterstützung „für diskussionsteilnehmer“ abhängig gemacht – ich hoffe immer noch, dass dies eine plattform mit genau diesem anspruch wird … im besten sinne multipolare gedanken und visionen zu diesen gespenstigen scheinwerfern = eine ECHTE zeitgeistalternative für das geistige potential aller.

    denn genau dieses gibt es bei vielen guten ansätzen einzelner blogs und medien (leider noch) nicht! #aufstehen ist eine gute idee mit viel zu vielen kinderkrankheiten -vielleicht kann ja „multipolar“ an dem anliegen der einbeziehung aller engagierten ansetzen – als großes dikussionsnetzwerk, in dem sich konkurrenzfrei und der multipolaren sache verpflichtet jeder beteiligen MÖCHTE!!! gegen die scheinheiligkeit, halbwahrheiten, umdeutungen undundund andere destruktive erscheinungsformen, die dem kapitalistischen system einzig zum selbsterhalt ihrer auf ausbeutung beruhenden macht etwas nutzen und ständig neue opfer schaffen, die ja teilweise wohl noch selbst glauben dies legitimieren zu müssen/dürfen/können …

    die melodie des „kälbermarsches“ muß gebrochen werden durch völlig neue töne und schritte … sie könnten den raum dafür schaffen … den virtuellen raum … der schon einige inseln hat … doch es gibt noch viel zu viele „robinsons“ …

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    1. marie

      ich möchte noch etwas ergänzen und zwar themenübergreifend – jedoch aus meiner sicht existenziell und vor allem gesellschaftlich immer noch geächtet bzw. allein für elitären gebrauch in allen strategischen bereichen von konsum, bildung, militär und politik.

      https://www.rubikon.news/artikel/echter-sozialismus-statt-einheitsbrei

      nur ganz ganz wenige individuelle stimmen sprechen die immense bedeutung der erforschung des unbewußten an >>> das bewußtmachen zum wirklichen verstehen von gesellschaftlichen und ganz privaten vorgängen und deren wirksame veränderung durch wissen und erfahrung damit.

      dass diese form der aufklärung kein schwerpunkt ist, zeigt mir vor allem das fehlende interesse an einer wirklich mündigen und aufgeklärten bevölkerung … unsere gesunden urinstinkte werden als hokuspokus und schlimmeres verschrien … wir werden gekränkt und krank gemacht – im seelischen bereich und dessen wissenschaftlicher erforschung und anwendung – dafür wird eine diffuse „gläubigkeit“ eingefordert, die soweit geht, dass schon konkrete nachfragen zu widersprüchen fast kriminalisiert werden.

      naja, wie schon gesagt, dieses thema ist völlig unpopulär – wird gemieden und diffamiert … und dabei ist es der schlüssel bzw. der anfang des echten verstehens und veränderns – weil es kein richtiges leben in einer falschen welt geben kann

      ich hoffe, dies ist eine bereicherung für eine wirklich multipolare sicht auf das leben – sonst bin ich hier wohl unverstanden und nicht wirklich nützlich

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  2. Bernd Kulawik

    Paul Schreyer ist mal wieder viel zu höflich und gnädig, um einen Schaumschläger einen Schaumschläger zu nennen. Und selbst das wäre noch zu verharmlosend, denn tatsächlich sind solche Leute und solche Bücher die ideologischen Stützen eines mörderischen Systems. „Wer Geschichte nicht als Kriminalgeschichte schreibt, macht sich zu ihrem Komplizen.“ (Karlheinz Deschner) – und das gilt auch und gerade für eine aktuelle Zeitgeschichte der „Digitalisierung“, die unsere Welt ebenso prägt wie Umweltzerstörung, Krieg und Ausbeutung, ja sogar deren wichtigste Methode ist.
    PS: Naja, aber was will/soll man auch von einem Autor erwarten, der es im korrupten deutschen Universitätssystem zur „Konifere“ geschafft hat und sich einer Partei asozialer, esoterischer Kriegsbefürworter und -verbrecher als Berater andient…??

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  3. gunst01

    Über einen Hofkasper der Soziologie, der als selbsternannter Sterbeforscher über gar alles etwas zu erzählen weiß, braucht es keine große Analyse. Zu diesem Thema gäbe es interessantere Bücher, wie das von Adrian Lobe, mit dem Titel `Speichern und Strafen´.

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  4. Heimo (Journo-und-ursprünglicher-Soziologe)

    Dank dieses Textes verdiente das schweizerische „Schwurbeln“ die Aufnahme in den (hochteutschen) Duden. Und in jedweden Index soziologischer Fachtermen sowieso.

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  5. Alexandra

    WIE radikal wir umdenken müssen, um aus der lebensfeindlichen Scheinwelt der Digitalisierung mit ihrer von den Medien akklamierten Priesterkaste, der akademischen Inquisition, in eine lebensfreundliche und menschenwürdige Welt hinaus zu treten, lässt ein Film erahnen, der diese Woche in den Kinos anläuft: BUT BEAUTIFUL von Erwin Wagenhofer.

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  6. Richard von Reich

    Die Mönschen glauben offenbar noch die kindischen Märchen der Demokratie:

    >Das Volk hätte einen eigenen Willen.
    >Volksvertreter würden das Volk repräsentieren.
    >Parlamente würden die Mehrheitsverhältnisse der Interessen verschiedener Bevölkerungsgruppen abbilden.
    >Menschenrechte und Völkerrechte wären ein der Natur inneliegender Wert an sich, dessen Verwirklichung die Volksvertretung dienen würde (= das säkularisierte, zivilreligiöse Gegenstück zur Umsetzung des Gotteswillens, dem sich die Religionsvertreter verschrieben haben).

    Die historische Erfahrung zeigt, daß in allen Fällen das Gegenteil zutrifft:

    >Völker haben keinen eigenen Willen. Sie sind ihrer selbst unbewußte organisch-pflanzenhafte Lebensformen. Entsprechend kann es auch keine „Willensnationen“ geben. Die USA sind eine Nichtnation, desgleichen die Schweiz, die tatsächlich aus mindestens drei Nationen besteht.
    >Volksvertreter repräsentieren nicht ihre Nationen, sondern die Internationalsozialisten.
    >Es gibt keine völkischen Interessensvertretungen in den Parlamenten. Die Parteien spiegeln die Ansichten wider, die der Bevölkerung durch Presse- und Medienarbeit als ihre vermeintlich eigenen eingegeben wurden, welche sie nun von den Parteien vertreten zu werden erwartet.

    >Menschen- und Völkerrechte, die lediglich proklamiert, also durch Ausrufung postuliert wurden, sind in Natur und Geschichte tatsächlich inexistent. Von der Politik werden diese „Rechte“ als Werkzeug zu Felde geführt, das allein gegen die an sie Gläubigen Wirkung zeitigt und in der Regel nicht zu ihrer Verwirklichung sondern zur Ächtung des politischen Gegners durch Ausschluß aus ihrem Wirkungskreise eingesetzt wird. Wer nicht für die angeblich Menschen- und Völkerrechte anstrebende Gemeinschaft der Volksvertreter und ihrer scheinsouveränen Anhängerschaft ist, der ist gegen sie, und auf sie sollen diese Rechte auch keine Anwendung finden. Das vormoderne Gegenstück ist die kirchliche Exkommunikation.

    In diesem Lichte sollte es eigentlich nicht verwundern, daß sowohl ethnische Minderheiten, vielmehr aber alle Völker dieses Planeten in der Demokratie nicht etwa ihre endgültige Verfassung, sondern endgültige Unterdrückung und Auflösung erfahren. Die Menschheitsreligion (= die eine Menschheit auf der einen Welt) als übergeordnetes Ideal, deren Ausdruck die Demokratie in allen Facetten ist, läuft zwingend auf die Auflösung aller trennenden Gegensätze zwischen Menschen hinaus. Entsprechend kann nicht erwartet werden, daß Völker wie die Samen oder Kurden, selbst größere Kulturnationen wie die Deutschen von Demokraten echte Existenz- und Lebensrechte zugestanden bekommen. Man sieht es selbst an den einstigen Siegern, den Briten, deren Rückkehr zu einem höheren Grade der Eigenständigkeit vom international ausgerichteten Klüngel der „Volksvertreter“ im britischen Parlament und der EU weitestmöglich verzögert und verkompliziert wird mit dem Ziele, das Zerbrechen übergeordneter Zusammenfassungen zu verhindern oder zumindest Nachahmer pauschal abzuschrecken.

    Das Streben nach der Einigung der Welt ist übrigens keine ausschließlich moderne Erfindung. Es findet sein religiöses Vorbild in den nahöstlichen Offenbarungsreligionen, deren Ideal stets die Verbreitung des einzig wahren Glaubens war, wofür Ungläubige entweder missioniert oder ausgemordet werden sollten. Der Sinn der Geschichte ist erst dann erfüllt, wenn allgemeingültig geworden ist, was man im Rahmen der eigenen Religion als den Willen Gottes ansieht. Das eigene Lebensgesetz, das man als das göttliche Gesetz identifiziert, muß auf alle Welt ausgedehnt werden. Demokratische „Befreier“ gleichen hierin den christlichen, jüdischen, islamischen „Erlösern“, was all diese Haltungen auf den selben ideellen Ursprung zurückführt. Allem wohnt ein „internationales Element“ inne. Die Herrschaft des Demos (allerdings nicht des Volkes, sondern des gemeinen Menschen, letztlich aber aller Menschen, also der Menschheit) ist die aus christlichen Ursprüngen ins Weltliche und Säkulare erfolgte Umwandlung der Herrschaft Gottes, bei der die Religion strukturell beibehalten und im wesentlichen nur der Mensch bzw. die Menschheit an Stelle Gottes gesetzt wurde. Unreflektierte Christen (die konservativen Parteien sind ihrer voll) empfinden diese Ausrichtung wohl nicht als grundlegenden Gegensatz ihrer Religion zur Demokratie, die bei ihnen Hand in Hand gehen. Darüber hinaus wird an dieser Stelle erkennbar, inwiefern die Ausbreitung des Mohammedanismus unserer Tage mitnichten ein Gegensatz zur westlichen Demokratie ist, sondern vielmehr ihre Ergänzung. Beide Strömungen wollen Ähnliches, nämlich weltumspannende Gültigkeit, weswegen die Importierung der Mosleme von den Demokraten als Mittel zur Zersetzung völkischer Einheiten angesehen wird, während Mosleme die demokratisch verfaßte Umgebung zur Verbreitung und Durchsetzung ihrer politischen Forderungen nutzen können.

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