„Der Mensch ist besser als sein Ruf“

human_connection

20. November 2019   —   Der Unternehmer Dennis Hack über seine gerade öffentlich gestartete Facebook-Alternative und die Schwierigkeiten, eine Öffentlichkeit zu finden

Paul Schreyer: Herr Hack, Sie sind im Hauptberuf Geschäftsführer eines schwäbischen Familienunternehmens, das weltweit einer der Marktführer für Trampoline ist. Wie kommt man mit diesem Hintergrund auf die Idee, eine Facebook-Alternative auf die Beine stellen zu wollen?

Dennis Hack: Um es kurz auf den Punkt zu bringen: Ich glaube, der Mensch ist viel besser als sein Ruf und da ich seit eh und je sehr internetaffin bin, war mir klar, dass die Echtzeitkommunikation hier enormes Potential bieten könnte, um den Menschen mit einem effektiven Online-Werkzeug zu unterstützen. Das funktioniert aber nur unabhängig, also nicht kommerziell und es musste vor allem völkerverbindend und lösungsorientiert sein. So ist Human Connection mit der Uhr des Wandels und seinem Netzwerk entstanden.

Paul Schreyer: Sie arbeiten bereits seit sechs Jahren mit einem Team an diesem Netzwerk. Worin bestehen die Schwierigkeiten?

Dennis Hack: Es gibt leider insgesamt noch wenig Bewusstsein für ein Netzwerk wie Human Connection. Der Großteil der Bevölkerung hat weder den Namen Human Connection noch Markus Fiedler jemals gehört. Jedoch hat zum Beispiel Markus Fiedler den wohl größten Skandal beim Monopolist digitaler Wissensnetzwerke aufgedeckt. Und hier kommen wir zu einem Problem: Wie kann es sein, dass zwar eine halbe Million Menschen den Film „Die dunkle Seite der Wikipedia“ gesehen haben, aber dieser nirgendwo in der Presse erwähnt wurde? Gibt es Journalisten, die Angst bekommen? Angst ist wohl das größte Problem, denn es hemmt die Reichweite und ohne Reichweite keine neuen Spender und man kommt nur Schritt für Schritt voran und leidet somit ständig unter Unterfinanzierung.

Dann wären da noch Verleumdungen professioneller Sorte, sowie auch das plumpe Abstempeln als Verschwörungstheoretiker – „die waren doch beim bösen KenFM“. Dazu die hohen Erwartungen, Misstrauen, viel Einarbeitungszeit, auf monetärer Ebene deutlich bessere Jobangebote für Programmierer anderswo, Krankheit, Mangel an Sorgfalt durch Unterbesetzung. Auf Entfernung zu arbeiten stellt hohe Anforderungen an die Kommunikationsfähigkeit aller Beteiligten. Zuletzt gibt es da noch meinen eigentlichen Hauptberuf als Geschäftsführer von Eurotramp; da ist auch nicht immer alles in Butter und das stellt mich in Summe vor ein kompliziertes Zeitmanagement.

Paul Schreyer: Ende Oktober wurde nun eine öffentlich nutzbare Version vorgestellt, auf der sich jeder registrieren kann. Kurz gesagt: Was ist bei ihnen grundlegend anders, als bei den gängigen Portalen?

Dennis Hack: Unser Netzwerk ist quellcodeoffen, gemeinnützig und transparent. Es geht darum, dass wir unsere Lebenszeit zurückgewinnen und die Menschen in die Aktion bringen, sprich, wieder zurück ins echte Leben. Human Connection ist ein „Linux der sozialen Netzwerke“ und wenn man sich die Mission anschaut, geht es um nichts geringeres, als die Probleme der Welt offen zu adressieren und sie friedlich zu lösen.

Moderation durch die Crowd

Paul Schreyer: In einem Erklärvideo erwähnen Sie, dass die Moderation der Nutzerbeiträge bei Ihnen nicht durch Angestellte des Netzwerkes, sondern durch die Nutzer selbst erfolgen soll. Wie darf man sich das konkret vorstellen?

Dennis Hack: Kurz gesagt: Basisdemokratisch. Man macht einen – mit dem Gesetz in Einklang gebrachten – sogenannten Moderationsführerschein, ähnlich wie bei einer Fahrschule, nur online. Nach dem Abschließen aller Lektionen kann der angehende Moderator die theoretische Prüfung ablegen.

Wird ein Beitrag im Netzwerk gemeldet, werden über Zufallsauswahl zehn Moderatoren – die den Verfasser des gemeldeten Inhalts nicht kennen – gefragt, ob es sich um einen Verstoß handelt. Die meisten Fälle werden sehr eindeutig sein, jedoch werden unklare Fälle – wie zum Beispiel: fünf sagen ja – fünf sagen nein – nochmals bei erfahreneren Moderatoren zur Abstimmung gebracht. Können auch diese keine Eindeutigkeit feststellen, muss das Ganze dann wohl zur internen rechtlichen Prüfung. Alle bearbeiteten Fälle sollen dann später für die Moderatoren in einem Archiv aufrufbar sein, um die Moderation nach und nach einfacher und professioneller zu gestalten.

Finanziert ist dieses Programm leider noch nicht, jedoch wissen wir, dass es rechtlich möglich ist, es genau so zu machen. Diese basisdemokratische Form der Moderation ist bisher einzigartig und es bedarf der Programmierung einer kompletten Schulungsplattform sowie eines ganzen Systems innerhalb des Netzwerkes selbst. Dieser Traum ist momentan jedoch fern, solange wir uns nicht ordentlich finanzieren können und es eher um die Frage geht, wen man entlassen muss oder behalten kann. Derzeit haben wir einen Moderator angestellt, der davor bei einem ähnlichen, nur viel größerem Unternehmen angestellt war.

Paul Schreyer: Während der Planung des Netzwerkes haben Sie auch mit mehreren Universitäten zusammen gearbeitet. Was ist dabei herausgekommen?

Dennis Hack: Letzten Endes hat sich bestätigt, wie attraktiv und notwendig Funktionen zur Förderung von guten Diskussionen und einer besseren Meinungsfindung sind, wie auch solche, die es den Nutzern ermöglichen, rasch etwas Gutes in der Welt bewirken zu können. Bei der Untersuchung waren die Highlights: CAN-DO, VERSUS, PRO-CONTRA-DISKUSSIONEN und der ACTION-BUTTON.

Paul Schreyer: Was ist damit gemeint?

Dennis Hack: „CAN-DO“ ist eine Aktions-Beitragsform, um etwa Do-it-Yourself-Anleitungen zu veröffentlichen, so dass jeder ganz einfach sofort etwas Gutes für sich, Mensch und Natur tun kann oder es bei Gefallen auf eine persönliche Liste setzt, um es später zu erledigen. Wenn ein Can-Do abgeschlossen wurde, markiert man es als solches und hat damit einen kleinen Meilenstein vollbracht. Damit füllt man eine ganz persönliche, nachhaltige Trophäensammlung.

„VERSUS“ ist der Begriff für ein Gegenargument auf einen Beitrag eines anderen Nutzers. Per Zufallsverfahren gewählte Mitglieder bewerten dann nach basisdemokratischen Prinzipien die Stichhaltigkeit. Bei Human Connection möchten wir ALLE „Fake News“ bestmöglich aufklären.

„PRO-CONTRA DISKUSSIONEN“ sind ein sehr nützliches Werkzeug, damit wir all unser Wissen beitragen können und jeder sich eine möglichst eigene und differenzierte Meinung bilden kann. Wer braucht dann noch Kommentarspalten?

Mit dem „AKTIV WERDEN“-Button erhält man schließlich nach dem Lesen eines Beitrages Hinweise auf thematisch passende gemeinnützige Organisationen, Projekte und Can-Do’s. Events und Gleichgesinnte lassen sich außerdem auf einer Karte anzeigen. Das heißt: Raus ins echte Leben! Eine Übersicht über die Basisversion mit allen geplanten, essentiellen Funktionen findet man hier.

Paul Schreyer: Das Portal soll werbefrei sein. Wie finanzieren Sie sich?

Dennis Hack: Als gemeinnützige Organisation finanzieren wir uns natürlich durch Spenden. Momentan sind es knapp 2000 Menschen, die Human Connection mit einer monatlichen Spende unterstützen, sowie viele Einzelspenden und seit Ende Oktober gibt es auch das „Uhr des Wandels“-Partnerprogramm, bei dem auch kommerzielle Unternehmen mitmachen können, indem sie die völkerverständigende Idee von Human Connection bewerben. Jeder Bäcker, jeder Friseur, jede Bar, jedes Restaurant kann die Uhr des Wandels in Szene setzen.

Paul Schreyer: Nochmals nachgefragt: In den großen Medien war bisher kaum etwas von Ihrer Idee zu hören. Angesichts der allgegenwärtigen Kritik an Facebook verwundert das. Machen Sie so schlechte Pressearbeit?

Dennis Hack: Ich denke eher, die Presse macht schlechte Arbeit. Aber, ja, wer weiß, vielleicht ist unsere Pressearbeit momentan gar nicht so gut, denn der Fokus liegt derzeit mehr auf unseren Unterstützern, die sich mit uns auf dem Weg zum Ziel nicht abhalten oder spalten lassen. Wir haben am 24. Oktober stolz auf die Eröffnung unseres Netzwerkes angestoßen und laden alle Menschen ein, sich bei Human Connection zu registrieren und uns bei Gefallen mit einer kleinen Spende zu unterstützen. Wahrscheinlich knacken wir diese Woche noch die 10.000-Nutzer-Marke. Bei Fragen sind wir, nebst der Möglichkeit, uns eine Email zu schreiben, gerne auch in unseren öffentlichen Meetings für alle Interessierten und Journalisten da, um Rede und Antwort geben. Das ist übrigens auch einer der Gründe für Human Connection: Wir wollen wieder mehr miteinander sprechen und uns gegenseitig zuhören.

(Dieses Interview wurde am 19. November 2019 im Online-Magazin Telepolis veröffentlicht.)

3 Gedanken zu „„Der Mensch ist besser als sein Ruf“

  1. Richard von Reich

    >Denn die Wirtschaftsinteressen stoßen an ihre Grenzen…

    Das ist eben der Kardinalfehler! Es sind keine Wirtschaftsinteressen die den Wachstumszwang und somit in Folge die Umweltzerstörung hervorrufen! Ich erkläre es Dir an DE, um es nicht zu kompliziert zu machen.

    Wenn im Monat in DE ca. 200 Milliarden Euro an Löhnen und Gehältern ausgezahlt wird und die Leute davon ca. 10 Milliarden dem Geldkreisklauf entziehen (das nennt sich „sparen“) dann fehlen im nächsten Monat 10 Milliarden die wieder ausgezahlt werden können um auf die 200 Milliarden für Löhne und Gehälter zu kommen. Wo kommen also im nächsten Monat die ca. 10 Milliarden her die fehlen? Nun Sie kommen von dem was hier als Fetisch gefeiert wird. Die Wirtschaft muss nämlich wachsen um diese 10 Milliarden pro Monat ranzuschaffen damit die Leute weiter pro Monat 10 Milliarden dem Geldkreislauf entziehen, „auch sparen genannt“ können.

    Für diese 10 Milliarden wollen die Leute aber auch noch Zinsen. So jetzt kennst Du die Ursache des Problems. Und jetzt vergleiche das mit den Aussagen von XR,FFF und den anderen Hochbegabten! Solange also nicht der Kern, die Ursache des sich daraus ergebenen systemimmanenten ZWANGES benannt wird werden auch keine Lösungen erarbeitet die tatsächlich helfen würden.

    Die URSACHE ist eben nicht die Wirtschaft sondern der Bürger der spart! Dieser entzieht pro Jahr dem Geldkreislauf ca. 120 Milliarden Euro alleine in DE! Und das heisst um diesen Betrag (plus ein bischen mehr) muss „die Wirtschaft“ pro Jahr wachsen damit das hier „Wirtschaftswachstum“ genannt wird, was eben wie gesagt vollkommen falsch ist als Analyse bzgl. der wahren Ursache! EXTINCTION REBELLION (XR), FFF etc. pp sind daher nur oberflächliche Placebos für Infantile, die unser Wirtschafts- und Geldsystem nicht verstehen!

    Liken

    Antwort
    1. Richard von Reich

      In einer traditionellen Kultur, die weder ideologisch noch in religiösen Irrlehren abgeirrt ist, kann man wohl die etymologische Gleichsetzung von Recht mit „gerecht“, „richtig“ usw. gelten lassen. Die Inhalte vermögen sich aber, durchaus im Verlaufe eines Kulturzyklus, der in Zivilisation übergeht, zu ändern, ohne daß die Begriffe sich ändern. Freilich gingen auch kommunistische Diktaturen oder konkret die Terrorherrschaft der französischen Revolution davon aus, das Recht auf ihrer Seite zu haben.
      Hingegen gingen Monarchen davon aus, was viel näher an der Wahrheit ist, von Gott selbst eingesetzt zu sein und als dessen weltlicher Repräsentant das Recht schlechthin zu repräsentieren.

      Ein Gesetz, alle Rothaarigen zu erschießen (oder wahlweise alle Adligen, Juden oder Neger), ist absolut möglich und war in verschiedenen Varianten seit dem Ausbruch der Zivilisation auch schon existent. Im Rahmen des menschengemachten Rechtssystems ist das rechtmäßig, nicht jedoch gerecht im Rahmen der Schöpfunggesetze oder höherer Vernunft, in welche das menschliche Dasein eingebettet ist. Aufgrund der dem Menschen eigenen Freiheit gibt es aber keine Möglichkeit, menschliches und göttliches Recht dauerhaft und ein für alle Mal in Einklang zu bringen.

      Daß zwischen Recht und Gesetz zumindest ein irgendwie gearteter Rangunterschied besteht, ist schon anhand der Existenz beider Wörter offenkundig. Weil „Gesetz“ logischerweise etwas „Gesetztes“ ist, folgt zwingend, daß etwas übergeordnetes existiert, das es setzt, bzw. auf dessen Grundlage es gesetzt wird. Es ist mit einer Intention „hingestellt“ und sekundär. An dieser Stelle kommt das „Recht“ ins Spiel. Das Wort ist schon an sich fundamental und repräsentiert ein übergeordnetes Verständnis. Leider ist es nicht per se recht, sondern nur der Idee nach, weil der Mensch nicht sichergehen kann, die göttlichen Gebote/Gesetzmäßigkeiten richtig erkannt und in Recht gefaßt zu haben, geschweige denn daß ihm die prinzipielle Möglichkeit offensteht, absichtlich vom göttlichen Willen abzuweichen. Daher ist Recht nicht in allen Fällen, was das Wort aussagt.

      Diese Kluft zwischen menschlichem Recht (bzw. „Rechtsverständnis“ oder „Rechtsauffassung“) und einem Recht, das quasi in Form der Natur-, Schöpfungs- und Schicksalsgesetze im eigentlichen Sinne als „ewiges Recht“ im Kosmos kodifiziert ist und nur erkannt werden müßte, ist wohl grundsätzlich nicht zu schließen. Es wird immer einen Unterschied geben zwischen dem, was ist, und dem, was sein soll.
      Davon ausgehend ist auch, was ich im Vorbeitrag über Recht schrieb, gerechtfertigt, nämlich wenn man vom menschlichen/menschengemachten Recht ausgeht.

      Woran Sie sich gestoßen haben, dürfte verschwinden oder weit weniger widerstreben, wenn ich statt von „wirksamen Recht“ von einem „wirksamen Rechtssystem“ geschrieben hätte.
      Von dem Grundsatz, daß ein menschengemachtes Rechtssystem letztlich nur von Menschen durchgesetzt werden kann, ist natürlich nicht abzurücken. Es spiegelt die historische Wirklichkeit wider. Verschiedene Arten der Gewalt (etymologisch von „walten“, also ohne per se negativen Beigeschmack) spielen dabei immer eine Rolle.
      Selbst in traditionellen Hoch-, aber auch Früh- und Urkulturen, die ich tendenziell für näher am „ewigen göttlichen Recht“ halte, bedurfte es einer vermittelnden menschlichen Gewalt, die das darauf gegründete menschliche Rechtsverständnis durchsetzt.

      Staat und Gewalt sind wohl letztlich nicht trennbar, da er sich an irgendeinem Punkte immer gegen äußere und innere Feinde zur Wehr setzen muß.
      Die Frage ist, ob man ihm auch ein Gewaltmonopol zugesteht. Dieses scheint eine Spezialität vermeintlich freiheitlicher Demokratien und Republiken zu sein, die von sich behaupten, das Volk zu vertreten und daher auch die natürliche „Gewaltfähigkeit“ des freien Mannes stellvertretend für ihn an sich zu ziehen bestrebt sind. Sie setzen sich, ohne die höheren Weihen des Königtums erhalten zu haben, ohne eine transzendete Verwurzelung anmaßend als Vertreter des Rechts. Das Gewaltmonopol ist daher modernen Staaten zu bestreiten, während traditionelle Staaten dem Einzelnen in der Regel die Freiheit zugestanden, selbst für sich einzustehen, sich zu verteidigen und in der eigenen Gemeinschaft zu richten, die ein Gewaltmonopol daher gar nicht beanspruchten.

      Liken

      Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s