Vollgeldreform und Banken: Weitere Machtkonzentration oder Dezentralisierung?

WRDG TB4. Dezember 2018   —   Heute ist im Piper-Verlag die Taschenbuchausgabe meines erstmals 2016 veröffentlichten Buches „Wer regiert das Geld?“ erschienen. Das Buch brachte es im ersten Jahr auf drei Auflagen und war seinerzeit erfreulicherweise sogar für einen internationalen Buchpreis nominiert. Da die Debatte rund um das Thema Geldsystem in der Zwischenzeit vorangeschritten ist, habe ich für die Taschenbuchausgabe ein zusätzliches Nachwort verfasst. Dort schildere ich einige Hintergründe des Scheiterns der Schweizer Vollgeldinitiative im Juni diesen Jahres und stelle außerdem die Position von Prof. Richard Werner vor, einem der weltweit führenden Experten zum Thema Geld und Banken. Im folgenden ein Auszug aus meinem Nachwort.

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Vortrag von Rainer Mausfeld im SWR: „Degeneration des öffentlichen Debattenraumes rückgängig machen“

3. Dezember 2018   —   Gestern strahlte der SWR im Rahmen der Sendereihe „Teleakademie“ einen Vortrag von Prof. Rainer Mausfeld aus. Unter dem Titel „Elitendemokratie und Meinungsmanagement – Hat sich die Vorstellung vom ‚mündigen Bürger‘ überlebt?“ schildert Mausfeld darin unter anderem den Streit zwischen den beiden amerikanischen Intellektuellen Walter Lippmann, einem Anhänger der Elitendemokratie, und John Dewey, einem Radikaldemokraten. Für Lippmann gehörte die Demokratie in die Hände von Experten, da das Volk zu apathisch, ignorant und von Vorurteilen geleitet sei. Dewey hingegen betonte, dass die politische Intelligenz der Bevölkerung zunächst einmal davon abhänge, dass der öffentliche Debattenraum überhaupt intakt ist. Mit anderen Worten: Interessengeleitete Medien voller Auslassungen, Manipulationen und Propaganda machen eine kompetente Willensbildung – und damit auch die Demokratie – unmöglich. Mausfeld zitiert hierzu Deweys eindringliche Schlussfolgerung:

„Solange bei der Unterrichtung der Öffentlichkeit Geheimhaltung, Parteilichkeit, Vorurteile, Falschdarstellungen, Propaganda und schiere Ignoranz überwiegen, gibt es keine Möglichkeit, die politische Intelligenz der Massen zu beurteilen.“

Ein weiterer Schwerpunkt im Vortrag ist Mausfelds Analyse, dass der Debattenraum, also das Spektrum der im Mainstream akzeptierten und diskutierten Meinungen, in den vergangenen Jahrzehnten immer enger geworden sei. Sein Schlusswort:

„Unsere vordringliche Aufgabe besteht darin, die systematisch herbeigeführte Degeneration des öffentlichen Debattenraumes rückgängig zu machen – dazu kann jeder etwas beitragen – und auf diese Weise den Möglichkeitsraum von Handlungs- und Denkoptionen zu weiten und einer wirklichen Demokratie eine Chance zu geben.“

Wie man die Demokratie nicht gegen Populisten verteidigt: Mein Vortrag an der Universität Eichstätt

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28. November 2018   —   Vergangene Woche war ich zu einem Vortrag im beschaulichen bayrischen Eichstätt. An der dortigen Universität findet zur Zeit eine Wintervortragsreihe statt, die in diesem Jahr unter dem Thema „Populismus“ steht. Eingeladen hatte mich der Anglistikprofessor Thomas Hoffmann, Dekan der sprachwissenschaftlichen Fakultät. Über diese Einladung habe ich mich besonders gefreut, da der kritische Blick auf die Sprache und ihre politische Manipulation im Mittelpunkt meines aktuellen Buches steht. Weiterlesen

Dirk Müller: Journalistischer Rufmord in der Süddeutschen Zeitung

Machtbeben von Dirk Mueller

25. November 2018   —   Dem Bestsellerautor Dirk Müller – ich hatte sein aktuelles Buch „Machtbeben“ kürzlich auf diesem Blog vorgestellt – weht in den etablierten Medien zur Zeit ein scharfer Wind entgegen. Müller analysiert „die Macht der Plutokraten“ und spricht davon, dass wir uns längst „auf dem Weg in die Kleptokratie“ befinden, also in eine Gesellschaftsordnung, in der die Diebe und Plünderer das Ruder übernommen haben. Klar, dass man solche Töne an der Spitze nicht gern hört – umso weniger, wenn sich das Buch längst zu einem der erfolgreichsten politischen Bestseller des Jahres entwickelt hat. Müllers mit hunderten Fußnoten gründlich belegter Text steht seit seinem Erscheinen vor drei Monaten ununterbrochen in den Top 10 der Spiegel-Bestsellerliste. „Höchste Zeit“ also, den Mann unter Feuer zu nehmen. Weiterlesen

Gegendarstellung zur Rezension im „Neuen Deutschland“

20. November 2018   —  Die Tageszeitung „Neues Deutschland“ hatte meine vorletzten beiden Bücher wohlwollend – und vor allem fair – rezensiert. Beim aktuellen Buch „Die Angst der Eliten“ ist es nun anders. Der Rezensent, Matthias Holland-Letz, ist Lesern dieses Blogs bereits bekannt. Es geht – mal wieder – darum, zu definieren was „links“ ist, nicht etwa links im Sinne der SPD der 1920er Jahre, sondern im Sinne des heutigen arrivierten Berliner Milieus, zwischen entkernter SPD, bürgerlichen Grünen und dem Kipping-Flügel der Linkspartei. Die Rezension verortet mich daher, wenig überraschend, auf der rechten Seite des Spektrums. Ich tarne mich quasi bloß als links, so die unterschwellige Botschaft. Solch ein Streit um Begriffe könnte fruchtbar sein, doch der Rezensent des „Neuen Deutschland“ verlegt sich leider von vornherein aufs Foul Play. Er zitiert mich ganz einfach sinnentstellend und falsch. Im Folgenden mein heutiges Schreiben dazu an die Redaktion. Weiterlesen

Geldschöpfung und Gemeinwohl

9. November 2018   —   In dieser Woche war ich ins österreichische Vorarlberg eingeladen, um einen Vortrag zu meinem Buch „Wer regiert das Geld?“ zu halten. Zuvor hatte ich Gelegenheit, beim regionalen ORF Landesstudio ein längeres Interview zum Thema zu geben. Die Sendung erwies sich als Glücksfall: Moderator und Programmchef Matthias Neustädter war hervorragend vorbereitet und hatte im Vorfeld Stellungnahmen von etablierten Bankern eingeholt, so vom Sprecher der österreichischen Nationalbank und vom Chef der Raiffeisen-Landesbank Vorarlberg. So gelang etwas, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, aber dennoch kaum passiert: kritische Ansichten zum Geldsystem den Einschätzungen von Mainstream-Bankern direkt gegenüberzustellen.

Außerdem zu Wort in der Sendung kam Michael Zorn, ein ehemaliger Banker, der sich heute als Regionalkoordinator der Genossenschaft für Gemeinwohl für die Gründung einer „Bank für Gemeinwohl“ einsetzt, und der die Verbreitung des VTalers, einer Regionalwährung für Vorarlberg, aktiv unterstützt. Im schönen Rheintal südlich des Bodensees tut sich einiges. Die Widerstände allerdings sind groß: Im Juni 2018 lehnte die österreichische Finanzaufsicht den Antrag der Gemeinwohl-Genossenschaft auf eine Banklizenz ab.